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Michel Angelo Bonaroti.
Charakter der Formen, noch das Prinzip, noch den Adelder Griechen. Uebrigens kein Ausdruck weder in der Stellungnoch in dem Kopfe dieses Christusbildes. Was die Gruppeder barmherzigen Mutter in der St. Peterskirche betrifft,muß man gestehen, daß Michel Angelo auch keine Idee vondem Ttyle des Faltenwurfs der Alten gehabt. Das Näm-liche gilt auch von Moses , welcher sowohl wegen der schönenAusführung der Arme und der Hände, als wegen des stolzenund grandiosen Charakters des Kopfes, unstreitig sein Mei-sterstück ist, bei welchem aber weder die Composition desGanzen, noch der Anzug, noch der Styl der Kleidung nurdie mindeste Nachahmung alterthümlicher Statuen verrathen.Die nämliche Kritik kann man auf alle Figuren ausdehnen,welche die Kühnheit seines Pinsels in die Gewölbe und aufdie Wände der Sirtinischen Kapelle gemalt. Es sind lauterPersonagen, deren Vorbilder und Modelle man nirgendsanführen kann. Als der Aufenthalt Michel Angelo's zu Rom ihm Gelegenheit verschaffte, gewisse Meisterstücke des Alter-thums kennen zu lernen, dessen kostbare Ueberreste man kürz-lich entdeckt, weiß man wohl, daß er sie sah und sie studirte,aber blos in Bezug auf die Wissenschaft, und weder hin-sichtlich des Styls, noch des Charakters der Schönheit, nochdes Adels und der Anmuth, welche Raphael in so hohemGrade sich anzueignen gewußt.
Unsere Absicht ist keineswegs, durch diese Analyse dasVerdienst Michel Angelo's herabzuwürdigen, vielleicht erhöhenwir dasselbe sogar noch, indem wir zeigen, daß er im wei-testen Umfange des Worts Orginal war, das heißt, daß erNiemand Etwas verdankte, und zwar weder von seinen Vor-gängern, die er allzu gut kannte, als daß er sie zu seinenVorbildern hätte nehmen sollen, noch unter den Meisterndes Alterthums, deren Werke zur Zeit seiner Jugend nochnicht den Einfluß erlangt, den sie seither ausgeübt.