Band 
Erster Band.
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Michel Angelo Bonaroti.

und ausgeführt werden. Sie überschreiten gewöhnlich die Grün-zen der Lebenszeit eines Menschen. Die St. Peterskirche wardas Werk von anderthalb Jahrhunderten. Zu den Verände-rungen der Architekten und Plane kam noch eine Andere,welcher weit weniger abzuhelfen war; nämlich die gänzlicheVeränderung der Grundsätze, des Styls, der Manier und desGeschmacks, die man während dieser Periode eintreten sah.Es hätte der Fall seyn können, daß der von Bramante imreinsten und korrektesten Style der Architektur begonnene Tem-pel des Vatikans, durch den Unbestand, welchem die Künstebei den Neueren unterworfen, von Boromini , das heißt, inallen Contrasten des bizarresten und ausschweifendsten Ge-schmacks beendigt worden wäre. Welches Glück demnach, daßMichel Angelo so vorsichtig und beharrlich war, die Haupt-punkte der Architektur der St. Peterskirche fest zu bestimmenund die Kuppel in allen ihren Details zu beendigen. Dennhier zeigt er sich ganz und ohne daß die mindeste Modifikationseine große und schöne Erfindung verändert hätte.

Wenn man Bramante die Idee dieser großen Consiruktionverdankt, muß man, um gerecht zu seyn, sagen, daß hier eigentlichNichts von ihm ist, als der Gedanke, den er gehabt: dasPantheon, wie er sich selbst ausgedrückt haben soll, auf denGewölben des Tempels des Friedens aufführen zuwollen. Denn er bestimmte hierüber nichts Festes, und dieZeichnung, oder bester zu sagen, die Skizze der Kuppel, die unsSerlio als das Projekt Bramante's überliefert, steht mit derKuppel Michel Angelo's außer aller Beziehung. Es war übri-gens etwas Neues, nach Brunelleschi , einen so ungeheuernDom von solcher Höhe aufzuführen. Aber das Wunderwerk von8snta Dlaria ckel I'loro kann in mehr als einer Hinsicht mitdem der St. Peterskirche nicht verglichen werden. Denn Erstereswar, besonders für seine Zeit, sowohl im Aeußern als im In-nern, eher ein Meisterstück der Construktion als der Architektur.