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Anfangsgründe der Zeichnungskunst zu lernen. Der Malerei,zu welcher man ihn bestimmt, waren hierauf seine ersten Stu-dien gewidmet. Aber die Langsamkeit seiner Fortschritte indieser Kunst trug nur dazu bei, ihm desto deutlicher seinenBeruf zur Architektur zu offenbaren. Hier legte er sich vorAllem auf das Studium der Perspektive, worin er mehr alsein Geheimniß für sich allein entdeckte. Die praktischen Re-geln, die er in einer kleinen Abhandlung über diesen Gegenstandherausgab, waren blos das Resultat seiner eigenen Nachfor-schungen. Diese Regeln, von ihm auf architektonische Zeich-nungen angewandt, verbreiteten in Bologna seinen Ruf um somehr, als Francesco Guicciardini , damals Gouverneur dieserStadt, sie in eingelegter Arbeit ausführen ließ.
Aber Vignola überzeugte sich bald, daß die Kenntniß Vi-truv's und alle spekulativen Kenntnisse, die man sich durchBücher erwirbt, dem Architekten nicht genügen, und daß ihmNichts das Studium der großen Modelle des Alterthums zuersetzen vermag. Er entschloß sich demnach, in den altenDenkmälern Roms, die wahren Meister seiner Kunst zuRathe zu ziehen und seinen Aufenthalt da zu wählen, wodiese Kunst auch ihre wahre Schule errichtet. Indessen nö-thigte ihn das Bedürfniß seines eigenen so wie des Unterhaltesseiner Familie den Pinsel wieder zu ergreifen, ohne jedochseine neuen Studien darum aufzugeben. Damals bildete sichzu Rom unter den Auspizien mehrerer Personen vom erstenRang eine Akademie der Architektur. Diese beauftragte Vignolamit den Zeichnungen aller alterthümlichen Gebäude Roms,welche Arbeit seine Neigung vollends entschied und sie fürimmer der Architektur gewann.
Gegen 1537 verließ Vignola Rom, um den BologneserMaler und Architekten Primalicio zu begleiten, welcher ihn mitnach Frankreich nahm. Mehrere Zeichnungen, die er Franz I. überreichte, machten ihn diesem Monarchen bekannt und ver-