Aur Zeit der Geburt Palladio's und als er sich der Aus-übung der Architektur zu widmen begann, hatte diese Kunstbereits seit länger als einem Jahrhundert die Barbarei desMittelaltcrs abgestreift und fand sich wieder auf ihre alter-thümlichen Grundsätze, ihre wahren Typen und den Geschmackder Alten zurückgeführt. Sie hatte durch die Studien, dieBeispiele und die ununterbrochenen Anstrengungen der berühm-testen Künstler des fünfzehnten Jahrhunderts vielleicht schonihre höchste Stufe erreicht. Wenigstens verkündigten die WerkeBrunelleschi's, Leon Batist« Alberti's, Bramante's , Baltas-sarre Peruzzi's, Sän Micheli's nnd der beiden Sän Gallo,ihren Nachfolgern, daß auf dieser Laufbahn, die sie mit sovielem Ruhme zurückgelegt, neue glückliche Erfolge nur schwerzu erringen seien. Da somit die ersten Plätze bereits vonjenen eingenommen, war es ziemlich natürlich, daß die Nach-folger sich entweder an ihre Vorgänger anzuschließen, odersich durch Neuheit, das unablässige Streben des Geistes derWillkühr und der Bizarrerie, einen falschen Ruhm zu schaf-fen suchten.
Andrea Palladio hatte das Glück, dieser doppelten Klippezu entgehen. Nach so vielen trefflichen Originalien wußte erebenfalls nicht nur Original zu bleiben, sondern selbst das
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