Muster zu werden, welches den Meisten, die in den verschie-denen Ländern die Architektur verherrlichten, zur Richtschnurdiente. Sein Geschmack wurde m ganz Europa der herrschende,und er gab seinen Namen einer Manier, welcher seitdem keineAndere den Vorzug streitig gemacht. Palladio bestätigt dieWahrheit, daß in allen Künsten stets dem Manne eine eigeneStelle vorbehalten, dem die Natur das Geheimniß verliehen,aus sich selbst zu sehen, zu fühlen und zu denken.
Indessen muß man gestehen, baß hinsichtlich der Architektur,der Künstler außer dem Genie auch noch gewisser Umständebedarf, welche der Entwickelung der Kunst günstig sind, dasheißt, welche vor Allem seine Kunstschöpfungen den Bedürf-nissen der Zeit und der Gesellschaft nothwendig machen. Nichtsist übrigens veränderlicher, als diese ursächliche Bedingung.Die Namen der gleichzeitigen oder unmittelbar auf einandergefolgten großen Architekten, die wir eben angeführt, und dieAnzahl und die Natur der von ihnen aufgeführten bürgerlichenoder kirchlichen Gebäude bezeichnen zur Genüge eine Epoche,wo die Architektur für eines der ersten Bedürfnisse der dama-ligen Gesellschaft gegolten, und wo die Großen und Reichenmit den Regierungen in großen Gebäuden gewetteifert. Daherdie Menge merkwürdiger Werke, die in Italien noch jetzt denhohen Grad von Vollkommenheit beurkunden, zu welchem dortdie Unternehmungen der Neueren gediehen.
Palladio fand weder in den Venetianischen.Staaten, nochzu der Zeit, als sein Talent sich ausbildete, so günstige Gele-genheiten zur Erfindung und Ausführung so großer Unterneh-mungen. Venedig , damals durch seinen Handel und seineKriegsthaten glänzend, verdankte gewissen in seinen Provinzenerhaltenen Denkmälern des Alterthums, so wie seinen Verbin-dungen mit dem neuern Griechcnlande, einige Ueberlieferungendes guten Geschmackes; dieß bezeugen die ersten Werke seinerArchitektur. Die Natur seiner Regierung trug nicht wenig zur