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Zweiter Band.
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Vincenzo Scamozzi . 81

sich der Lektüre der besten Schriftsteller, so wie der griechischenund römischen Geschichte und der Praris der Perspektive; sodaß er in einem Alter, wo man gewöhnlich noch Schüler ist,mehr als seine Kunst hätte lehren können. Der Palast desGrafen Francesco Trissini, welcher damals zu Vicenza nachseinen Zeichnungen aufgeführt wurde, während dem er in Rom war, schien das Werk eines Künstlers zu seyn, der nichtsmehr zu lernen habe.

Aber Scamozzi wußte schon zu viel, um nicht einzusehen,daß ihm noch viel zu wissen übrig sei. In der That mußteer als Künstler, der nach Originalität strebte, nothwendig seinTalent, nicht nach den Werken der Meister seiner Zeit, sondernnach jenen großen Modellen des Alterthums auszubilden suchen,welche diese Meister selbst gebildet, und die gewissermaßen fürdie Architektur das geworden, was die Natur den übrigenKünsten ist: das vollständigste Beispiel der Grundsätze undRegeln des Schönen und Wahren. Er begab sich demnachnach Rom , nahm die Maaße aller Ueberreste der alterthüm-lichen Denkmale, so wie den allgemeinen Plan der BäderDiokletians und des Coliscums, deren gänzliche Wiederherstel-lung er in Zeichnung entwarf, und vieler anderer Ruinen auf.Mit den nämlichen Untersuchungen beschäftigt, brachte er sechsMonate in Neapel und seinen Umgebungen zu und versichertuns selbst, baß er in den zwei Jahren, die er auf dieseArbeiten verwendet, mehr als in den zehn Jahren seiner erstenStudien gelernt.

Im Jahre 1580 kam er nach Vicenza , seine Vaterstadt,zurück. Aber Vicenza bot ihm nicht die Aussicht auf so großeUnternehmungen dar, zu welchen er sich durch seine Studienund seine gesammelten vielen und umfassenden Kenntnisse beru-fen fühlte.

Das reiche und mächtige Venedig war damals der einzigeseinem Talente entsprechende Schauplatz geworden. Palladio

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