Band 
Zweiter Band.
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80 Vincenzo Scamozzi .

weder mit ihm noch mit den übrigen geschickten Meisternseiner Zeit in irgend einer Berührung zu stehen, aus Furcht,sagt man uns, Verdacht zu erregen, Etwas von ihnen gelerntzu haben. Diese nämliche Gesinnung verkündigt sich in seinenSchriften über die Architektur, in welchen er sich gegen Pal-ladio so übelwollend als geringschätzend gegen seine Manierzeigt.

Da wir es hier indessen nur mit dem Talente und denWerken Scomozzi's zu thun haben, glauben wir uns über-hoben, das innere Motiv dieser Denk- und Handlungsweisenäher zu untersuchen. Wenn ein übertriebener und übelver-standener Wetteifer ihn in seinen Gesinnungen und Meinungenüber das Verdienst seiner Vorgänger sollte irre geleitet haben,müssen wir hingegen sagen, daß glücklicherweise seine Werkedie ihm angeschuldigten, wenig ehrenvollen Gesinnungen undReden Lügen gestraft. Kein Architekt hat, in der That,besser als er gezeigt, wie man den großen Meistern folgenund sie nachahmen könne, ohne ihr Kopist zu seyn. Keinerhat sich dem Geschmacke Palladio's mehr genähert als er.

Einige Werke, die in ihm den Künstler und geschicktenBaumeister verriethen, verschafften ihm bald einen gewissenRuf. Die Kirche des Erlösers zu Venedig war eben durchTullio Lombards vollendet worden, als man nach der Handwahrnahm, daß es ihr an gehörigem Lichte fehle. Scamozzi ,welcher den Auftrag erhielt, diesem Fehler abzuhelfen, entle-digte sich desselben mit dem vollkommensten Erfolge, ohneder Kirche in ihrem Innern Etwas von ihrem majestätischenEffekte zu benehmen. Er begnügte sich, die drei Kuppelnderselben oben zu öffnen und mit einer Laterne zu krönen,wodurch das Schiff die ihm fehlende Helle erhielt.

Nebst diesen Arbeiten beschäftigte er sich mit mehrerenStudien, die ihn in alle Kenntnisse der alterthümlichen Archi-tektur einweihen mußten. Er übersetzte den Vitruv, widmete