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Erster Band, enthält: Boden und Geognosie, oder das Land : zweiter Band, enthält: Das Wasser / in Verbindung mit mehreren Gelehrten herausgegeben von Karl Friedrich Vollrath Hoffmann
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Geologischer Rückblick auf Europa.

gangsgebirges, wie z. B. die Grauwacke und der Uebergangskalk tra-gen so deutlich die Spuren des AbsatzeS aus Wasser und der Reibungihrer einzelnen Bestandtheile an sich, daß über ihre Entstehung keinZweifel obwalten kann; ihre Bänke liegen , wo sie nicht durch spätereKräfte verrückt wurden, eben so horizontal und in derselben Ordnung,wie sie bei großen und stürmischen Ueberschwemmungen jetzt noch vorunsern Augen sich bilden, d. h. die größeren Rollstücke lagerten sich zu-erst ab, hierauf der Sand und zuletzt die kalkigen und thonigen Schich-ten; daher nennen wir diese Gebilde mit vollem Rechte sekundäre.Dadurch, daß die einzelnen Bestandtheile dieser Schichten durch einkalkiges, kieseliges oder thoniges Bindungsmittel zusammengekittetwurden, entstanden die verschiedenen Trümmergefteine, Sandsteine,Kalk- und Mergelschichten, Schiefer u. s. w.; wo das Bindemittel fehlte,da behielten die Trümmer ihre lose Gestalt, wie wir es in der Nagel-fluhe nicht selten antreffen; wo es sparsamer wurde, da bildeten sichmehr oder weniger lockere und zerreibliche Steine. Sämmtliche Fels-arten des Uebergangsgebirges bis zum jüngsten Schwemmlands herauferscheinen daher, näher betrachtet, als wieder verbundene Trümmer desUrgebirges, die Sandsteine aus Granit, Gneuß u. s. w., die Kalkge-steine aus Urkalk entsprungen und mehr oder weniger mit den Ueber-resten vorweltlicher Pflanzen und Thiere vermengt, oder auch mit ein-zelnen ihrer Bestandtheile chemisch verbunden. Nach den verschiedenenBestandtheilen des Urgebirges bildeten sich daher bald feldspathreiche,bald quarzige Sandsteine, bald mächtige Kalkbänkc; wo körniger Kalkdie Meerestiefen bedeckte, da lebten vorzugsweise auch Schaalthiere undPolipen, welche ihr Gehäuse aus Kalk erbauen, wie noch jetzt diejeni-gen Meere, welche von Kalkwänden umgeben sind, vorzugsweise solcheGeschöpfe hegen; wenn durch unterirdische Gewalt einzelne Ländertheileaus dem Meere gehoben wurden, und das gehobene Land in seinerMitte eine Mulde einschloß, worin das Meerwasser zurückblieb, somußte es einen früher oder später vertrocknenden Landsee bilden, wor-aus sich Steinsalz niederschlug, wie noch jetzt die Umgebungen des kas-pischen Seees ähnliche Erscheinungen darbieten. Wurden durch dieGewässer die üppigen Palmenhaine und Farrnkrant-Wälder einzelnerGegenden begraben, und von Sand und Geröllen überdeckt, so entstan-den die Steinkohlenlager, die Quelle der Wärme und des Wohlstan-des für ganze Nationen. Wohl mögen außer chemischen Agentien undder damals vielleicht noch höheren Temperatur unseres Bodens auchnoch andere unbekannte Kräfte bei diesen Umwandlungen mitgewirkthaben, aber so viel ist gewiß, daß die Steinkohlen auch, chemisch be-trachtet, aus dem organischen Reiche stammen, und daß das Steinsalz