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Erster Band, enthält: Boden und Geognosie, oder das Land : zweiter Band, enthält: Das Wasser / in Verbindung mit mehreren Gelehrten herausgegeben von Karl Friedrich Vollrath Hoffmann
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Geologischer Rückblick auf Europa.

nicht nur dieselben Bestandtheile zeigt, wie das Meersalz, sondern auch,daß die dasselbe umgebende Kalkgebilde Schaalthierüberreste einschließen,welche Meeresbewohnern angehören.

Daß aber Meereswasser den größten Theil von Europa einst be-deckt habe, dafür sprechen die ausgedehnten, mit Meerespetrefaktenerfüllten Kalk- und Sandsteinlager, welche wir überall getroffen haben.Bon der äußersten Spitze der iberischen Halbinsel an bis an den Fußdes Kaukasus und Ural sehen wir dieselben oft bis zu sehr beträchtlichenHöhen verbreitet, und wenn gleich nicht alle Länder genau dieselbenGebilde auszuweisen haben, so finden sich doch parallele oder ähnlicheFormationen, wie wir noch jetzt bei Ueberschwemmungen in der Nähevon Sandsteingebirgen vorzugsweise Sand, von Kalkgebirgen Kalkge-rölle sich ablagern, und selbst dem gewöhnlichen Lauf der Flüsse nach ihreUfer bedecken sehen.

Diele der jüngeren Flötzgebirgsarten mögen auch durch Wasserzer-störung älterer Flötzgebirge entstanden sein, und daher Bruchstücke undPetrefakten aus denselben enthalten, wie es vielleicht in dem Kalk derAlpen und im Karpatensandstein der Fall ist, wie man denn auch jetztnoch an den Ufern mancher Flüsse versteinerte Schaalthierüberreste nebenden Gehäusen noch lebender Weichthiere im Sande finden kann.

Zahl und Ausdehnung der Ueberschwemmungen anzugeben, ist nochnicht möglich, so lange nicht die ganze Erdoberfläche genau geognostischerforscht ist, und so lange man nicht noch andere Momente außer denPetrefakten aufgefunden hat. So viel geht indeß aus dem bis jetztUntersuchten hervor, daß mehr als einmal Europa's Boden von Mee-ren bedeckt wurde, daß seine Gebirge zu verschiedenen Zeiten entstanden,und damit vielleicht die Trockenlegung einzelner Ländertheile gegebenward, worauf Pflanzen und Thiere niederer Art sich verbreiteten, diein späteren Ueberschwemmungen, vielleicht durch neue Hebung andererbeträchtlicherer Gebirgsmassen veranlaßt, wieder ihr Grab fanden. Hö-here Pflanzen traten übrigens lange vor den Land-Säugethieren, derhöchsten Familie des Thierreichs, auf und bereiteten gleichsam den Bo-den für dieselben, denn das Thierreich wurzelt im Pflanzenreiche, wiedieses im Mineralreich. Zuletzt erschien endlich der Mensch, sowohlkörperlich als geistig hoch über alle Thiere der Erde hervorragend ; aberauch sein Geschlecht wurde theilweise durch eine große, vielleicht dieganze Erde bedeckende Ueberschwemmung mit einem zahllosen Heere vonLandthieren aller Art vertilgt und in dem älteren Schwemmlands,welches wir über ganz Europa sich verbreiten sahen, begraben. Mitdieser letzten Ueberschwemmung, welche vielleicht von zahlreichen vul-kanischen (Basalt-, Dolerit-, Fonolith- u. s. w.) Ausbrüchen be-