Geologischer Rückblick auf Europa. 86L
gleitet war, scheint auch eine beträchtliche Abkühlung wenigstens unserernördlichen Erdhälfte verbunden gewesen zu sein, wie dieß die veränder-ten Pflanzen und Thiergestalten, welche nachher auftraten, beweisen.
Aber auch seit dieser letzten Katastrofe waren die Elemente nichtmüßig, die Erdoberfläche auf's Neue umzugestalten. Wie in den ver-schiedenen Flötzperioden die Gewässer bei ihrem Ablauf Lokalströmungenbildeten und das vielleicht noch nicht gehörig erhärtete Flötzgebirge theilsdurchbrachen, theils mit sich fortrissen, um Flüssen und Strömen ihrBett zu graben, wie damals Felsblöcke vielleicht in Eis eingeschlossenvon den Gipfeln der Berge stürzten und von den Wellen an ferne Kü-sten getragen wurden, so sind noch jetzt Regen und Sonnenschein, Hitzeund Frost geschäftig, die Gräthe der Berge zu zerspalten, ihre Fels-massen in Trümmer aufzulösen und abzurunden, und die Flüsse rollendieselben ab und führen sie emsig den Thälern und dem Weltmeere zu, umsie auszufüllen und die Häfen zu versanden. Noch einige Jahrhunderte,und Venedig liegt auf dem Festlande; der bläuliche Schlamm seinerLagunen ist mit zahlreichen Schaalthiergehäusen zu einem jüngsten Mu-schelkalk geworden, und wo jetzt zierliche Gondeln die stille Wasserflächedurchziehen, fliegen vielleicht muntere Pferde, vor leichte Sedien ge-spannt, durch das neue Küstenland, oder der Enkel des Matrosen durch-pflügt das Land, über welches sein Ahn wegschisste.