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Erster Band, enthält: Boden und Geognosie, oder das Land : zweiter Band, enthält: Das Wasser / in Verbindung mit mehreren Gelehrten herausgegeben von Karl Friedrich Vollrath Hoffmann
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Die Mineralquellen Enropa's.

Beckens befindet sich die Röhre der Quelle, die oben über sechs Fuß imDurchmesser hat. Wenn das Wasser am tiefsten steht, ist seine Flächedreißig Fuß unter dem Rande der Röhre. So bleibt es aber nichtlange, sondern es steigt nach und nach höher, kocht in dem Kessel, dannfolgen einige dumpfe, dann stärkere unterirdische Donnerschläge, die ganzeWaffermasse geräth in heftige Bewegung, und erhebt sich zu einer 120Fuß hohen, 6 Fuß im Durchmesser haltenden Wassersäule, die stoßweisejeden Augenblick gegen eine Viertelstunde lang sich erneuert. SolcheAuswürfe macht der Geiser täglich mehre, die aber nicht durchausgleiche Stärke haben. Denn kräftiger noch als der große Geiser, aberauch seltener, äußert der Stockr seine Kräfte, der mit der Geschwindig-keit und dem Sausen des heftigsten Wirbelwindes einen zusammenhän-genden Wasser- und Dampfzilinder zu einer dem schärfsten Auge kaumerreichbaren Höhe emporspeit, der dann zum Theil als feiner Regen her-abfällt, großentheils aber als Wolke fortzieht. Uebrigeus sind nichtalle heißen Quellen Islands solche Springquellen, manche bilden nurruhig kochende Wasserbehälter. Alle setzen viele Kieselerde ab. Nichtweit von den genannten Hauptquellen findet sich eine andere Gruppevon warmen Quellen, nämlich in der Gegend von Skalholt, fernerin der Nähe von Reikiavik. Die letzteren sind vornehmlich deßhalbmerkwürdig, weil sich in ihnen Eidechsen finden sollen, während sonstauf der Insel gar keine Amfibien angetroffen werden. Von den Quellenim nördlichen Theile der Insel erwähnen wir derer bei Hrafnagil,ferner der Quellen, die am Ufer und im Bette des Myvatn-Seeöhervordringen. In der Nähe dieses Sees findet sich auch ein natürlichesDunstbad, dergleichen wir früher bei Jschia erwähnt haben. Oeftlichvom Myvatn-See liegt das Thal der Hverar oder der heißen Quel-len , die ein solches Getöse machen, daß man es auf die Entfernung voneiner Drittelsmeile hört. Nördlich vom See in der Richtung gegenHusavik sind die Reykiahverar, worunter sich der Sister Hver,der Oxehver und der Nordur- oder Bad-sto fu-Hv er besondersauszeichnen. Die Wirksamkeit der einzelnen Springquellen entsteht undverschwindet mit großen Erderschütterungen Islands; so hat der Stockrerst gegen Ende des vorigen Jahrhunderts seine jetzige Stärke erreicht.Uebrigens finden sich überall, wo man bis jetzt hingekommen ist, warmedampfende Quellen. Ist die Temperatur niedriger, so enthält dasWasser meistens kohlensaures Gas und wenig feste Bestandtheile, soz. B. die Sanerwasser von Oel-kilda von 6° R., und die bei Ly-siehouls von 28° N. Die Quellen von hoher Temperatur enthaltenim Allgemeinen schwer lösliche Stoffe, namentlich Kieselerde in ihrerMischung aufgelöst. Die Kieselerde beträgt oft mehr als die Hälfte