Seine Construktivnsmethode, das heißt, die Anwendung,die er von den Baumitteln machte, zeigt am besten von derVerkehrtheit seines Geschmack's. Als Baumeister, muß mangestehen, daß er einen merkwürdigen Grad von Geschicklichkeitund Einsicht besaß. Man kann den großen Saal des Ora-toriums zu Rom , die Solidität seiner Gebäude im Allgemeinenund die Kühnheit mehrerer derselben als Beispiele anführen.Indessen ist man versucht zu glauben, daß er sich in den ver-schiedenen Construktionsweisen nur vervollkommnet, um in den-selben eine größere Leichtigkeit zu finden, alle Widersinnigkeitenauszuführen, die ihn oft mehr zu schaffen machten, als manvielleicht denkt. Denn zwischen den einfachen Formen und dersoliden Construktion, welche zugleich die Leichteste ist, herrschtstets eine natürliche Uebereinstimmung. Um die Materialiender Baukunst nach den wunderlichen Einfällen einer ungeregel-ten Einbildungskraft zu beugen und fügsam zu machen, mußman zu schwierigen Mitteln seine Zuflucht nehmen.
Borromini , welcher aus der Architektur eine Kunst ohneRegel und gleichsam eine Schreinerarbeit gemacht, scheint inder Dekoration keinen andern Geschmack, als den der Gold-arbeiterkunst gehabt zu haben. Denn sowohl das Geräthe, alsdas Geschirr hängen hinsichtlich ihrer Formen und Verzierungendurchaus von keinem vorläufigen Typus ab, der ihren Ge-schmack und ihre Schicklichkeit vorschreibt. In der Verzierungbesonders hat Borromini auf das Augenscheinlichste den Grund-satz befolgt. Allem zuwider zu handeln, was vor ihm gewesen.Er verändert, verkehrt, stürzt um, blos um zu verändern, zuverkehren und umzustürzen; er setzt oben oder unten hin, wasman vor ihm unten oder oben gesetzt, viruit, seäiücst, mnlathnsärsta rotnnckis.
Lohnt es sich nach dem, was wir so eben von dem Ge-schmacke dieses Architekten zu erkennen gegeben, wohl der Mühe,sich in das Detail seiner Denkmäler einzulassen? Sollten wir