Chaſſ. XIX. Von der Viehzucht. 22
ſich nach des Landes Gewonheit zu richten; Es wird ins gemein aber darfurgehalten/ je ehe man ſie beſchneidet/ je beſſer es ſeye/ dann je aͤlter ſie werden/ jegefͤhrlicher iſt ſolche Beſchneidunmg. 1G
VII. Die Schafe zu maͤſten/ ſo treibet man ſie gemeiniglich auff dieStoppel⸗Felder/ oder maͤſtet ſie mit Habern und Brod.
2. Man gibt ihnen auch geſchnitten Gerſten⸗ Stroh/ mit Treber und Ha-bern/ das Stroh und Treber fein mit den Haͤnden durch einander gerieben/ da-mit es feucht werde/ ſo freſſen ſie es gerne/ und werden bald fett darvon.
3. Wann man will/ ſo kan man ihnen auch gute Kleyen darunter mengen/darvon werden ſie deſto ehe fett.
VIII. Die Wolle abzunehmen/ hat man ſich nach des Landes Art undGewonheit zu richten/ wird in den warmen/ gegen Mittag gelegenen Laͤndernnicht ehe abgenommen/ als in dem erſten Hundes⸗Stern des Fruͤhlings.
2. An kalten Orten aber zu Ende des Heumonats/ und ſonſten keinmalweder des Sommers noch Winters.
3. Beh der Schafſchur hat manauch ſonderlich in Acht zu nehmen/ daßdie Lufft nicht zu kalt noch zu wanm ſeye. t
4. An etlichen Orten ſchieret man die Schafe des Jahrs zweymal/ je nach-deme es ſelbigen Orts Herkommen und gebraͤuchlich iſt.
5. Ehe man die Schafe ſchieret/ ſolle man ſelbige drey Tage zuvor im Waſ-ſer rein abwaſchen/ damit ſie ſaubere Wolle bekommen.
5. Wann ſie im Scheren etwan geſchnitten/ und die Haut verletzetworden/ muß man ſie mit weichem Pech ſchmieren) darunter kan man— und Unſchlitt zerlaffen/ und gleichſam eine Wund⸗Salbe darausmachen.
7. Nach der Schur ſolle man ſie nicht weit vom Hoſe treiben/ damit ßenicht zuſehr erkalten/ kranck werden oder ſterben/ muß man ihrer derowegen wolwarten/ und gute Achtung auff dieſelbige geben.
Nota. Der Hauß⸗Vatter oder Meyer/ wie auch die Hauß⸗Mutter ſolltfleiſſig bey dem Schaf⸗Scheeren ſeyn/ damit von der Wolle nichtsveruntreuet/ noch kein Betrug darmit vorgehen moͤge/ welches ſon-ſten ſehr offt durch ungetreue Schaͤfer zu geſchehen pfleget: Was imuͤbrigen der Meyerin Außklaubung der Wolle/ und welche die beſteſeye/ in Acht zu nehmen haben wind/ wollen wir demſelbigen hierinnenkeine ſonderbare Regeln vorſchreiben/ ſondern alles ſeinem ſelbſt eige-nen Gut⸗Achten hiermit freygeſtellet haben. 12
IX. Anbelangend die Schafmilch und Machung der Kaͤſe/ iſt ſel-
biges bey einer woll⸗beſtellten Meyerey eben ſo nuͤtzlich uud nothwendig/ alsoben bey den Kuͤhen gemeldet worden/ und wird 8 UeürbtütttssFeJ nichts