König gab, nicht die geringste Störung. Man fühlte feineAbwesenheit von den Regicrungsgeschäften nicht.
Fast wäre die königliche Familie glücklich an's Ziel ihrerReise gelangt. Aber die Unvorsichtigkeit des Königs, dersich zeigte, führte in St. Menvhould durch den PostmeisterDrouet die Entdeckung herbei. Er wurde in Varennes an-gehalten. Die Nationalgarde bemächtigte sich seiner, und eswar den eiligst angelangten Soldaten Bouille's unmöglich,ihn zu entführen. Jetzt verließ auch Bouillv, obgleich erkein Freund der Auswanderung gewesen, das Königreich.
Als die Versammlung Ludwigs Verhaftung erfuhr, schicktesie drei Kommissäre, Petion, Latour-Maubourg und Bar-nave, ihn nach Paris zu geleiten. In seinem Unglück fander einen unverhofften Freund an Barnave, der von nunan die Monarchie und Ludwig zu retten suchte.
Zu Paris empfing die Reisenden, wie befohlen war, einlanges, finsteres Schweigen. Der König wurde provi-sorisch suspendirt: er und die Königin erhielten eineWache. Kommissäre wurden geschickt, ihn über den Zweckfeiner Reise zu befragen. Ei» Theil wollte ihn auf demThrone erhalten, ein anderer ihn abgesetzt wissen, denn erhatte die Unklugheit begangen, bei seiner Abreise ein Ma-nifest an die Franzosen zurückzulassen, worin er sich vonder Revolution und allen durch ihn gebilligten Akten, dieer erzwungen nannte, feierlich lossagte.
Nach der mißlungenen Flucht trat eine auffallende Par-teien-Veränderung ein. Die Republikaner, welche sichbisher immer nur auf der äußersten Linken gehalten hatten,traten jetzt offen hervor, und bildeten eine eigene Meinung.Die konstitutionelle Monarchie und die Republikstellten sich einander gegenüber. Niemand war Schuld dar-an, als der Hof mit seinen perfiden Schritten, denn ausdem Manifest sah man ja deutlich, daß alle gemachten Ver-willigungen, alle herzlichen Worte nichts anders waren, alsTäuschung und Hinterlist. Dießmal ward jedoch die Mo-