476
Hierzu kommt noch der Wechsel der Temperatur, der so häufigist. daß man in einem Augenblick, in Regen und Nebel ge-hüllt und, bei der Heftigkeit des Windes, bald durch dendicksten Mantel bis auf die Haut durchnäßt und dann wiederim nächsten Augenblick, wo der Himmel sich aufklart, vonden Strahlen der tropischen Sonne gebraten wird. DieseHitze dauert eine kurze Zeit, und schnell folgt wieder Nebel,Regen und Dunkelheit*). Jeder Arzt weiß, daß ein solchergewaltsamer Wechsel die heftigsten Entzündungen, besondersim Unterleibe, zu erzeugen pflegt.
Es erhellt hieraus, baß St. Helena, neben den allge-meinen Ursachen, welche die Tropenländer für die Europäerungesund machen, noch besondere örtliche Ursachen habenmuffe, aus denen die große Sterblichkeit auf dieser Insel zuerklären ist. Die leichteste Erkältung, so wie jede Abwei-chung von der gewohnten Lebensart erzeugt hier Ruhr, Ge-därmentzündung oder Fieber, die in wenigen Tagen sichtlichwerden, wenn nicht augenblicklich die thätigste und wirksamsteHülfe geleistet wird. Die Ueberladung bei einem Kinde, diein Europa nur etwas warmes Wasser, um eine Ausleerungzu bewirken, nöthig machen würde, artet hier in eine ge-fährliche Krankheit aus, wobei man zu den stärksten Arz-neien greifen muß; wird Dieß nur wenige Stunden versäumt,so ist der Tod unvermeidlich. Den Europäern ist das Elimabesonders nachtheilig, und selbst die Einqebornen erreichenselten ein hohes Alter; nach dewTodtenlisten überleben nurwenig Menschen das 44ste Jahr. — Die gewöhnlichstenKrankhellen sind: Ruhr, Gedärmentzündung, Leberkrankhei-
») --In den lczten drei Jahren regnete es außerordentlich oft in St. Helena,und zwar fiel dabei eine größere Masse Wasser auf den Boden, alssolches in London gewöhnlich ist. Jn.lcztcrem Orte hat man in einereinjährigen Beobachtung berechnet, daß im Durchschnitt der Regenjährlich nicht mehr als 2l.U5 Zoll beträgt; nach einer vierjährigen Beobach-tung beträgt aber derselbe in St. Helena jährlich zz.Z8Zoll." M. vgl. des
ol 8t. Helena XXXVI.