Band 
(1500 - 1815)
Entstehung
Seite
3
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1. Kap.)

Luther und Melanchthon.

3

Erstes Kapitel.

Das Zeitalte rLuther's.

2. Luther und Melanchthon.

Martin Luther war der Sohn Hans Luther's, eines Bergmannsin Möra, und der Margarethe, geborenen Lindemann. Der Vater, welcherspäter Hüttenherr und Rathmann in Mansfeld wurde, war ein ernsterMann, der den kleinen Sohn in strenger Zucht hielt. Martin wurdeam 10. November 1483 in Eisleben geboren und erhielt seine erste Bil-dung in Mansfeld. Dann bezog er die Gymnasien von Magdeburg(1497) und Eisenach (1498), wo er mit Noth und Hunger sehr zukämpfen hatte, und sich dürftig alsCurrentschüler ernährte. In der letzte-ren Stadt nahm sich die fromme Wittwe Cotta seiner an, indem sie ihmWohnung und Kost gewährte. Nach vier Jahren bezog er (1501) dieUniversität zu Erfurt, wo er nach dem Willen des Vaters die Rechte stu-diren sollte. Martin widmete jedoch seine Kräfte mehr dem Studium derlateinischen Klassiker und der scholastischen Philosophie. Im Jahre 1505promvvirte er zum, Magister, und hielt über die Physik und Ethik desAristoteles Vorlesungen. Auch dachte er jetzt an die vernachlässigte Ju-risprudenz und widmete sich ihr, dem Vater zu Gefallen, aufs Neue. Da gabder plötzliche Tod seinesFreundesÄlexius, welchen auf einem Spazier«gange der Blitz neben ihm erschlug, dem Gemüthsleben und DenkenLuther's eine ganz andere Richtung. Er wurde schwermüthig und ängst-lich über seine Sündhaftigkeit, von welcher Gott schnell Rechenschaft for-dern könne. Nur in den stillen Klostermauern glaubte er Friede für seingequältes Herz, und die Gnade des allerbarmenden Gottes für seine Schuldzu finden. Er trat daher, mit vorausgesetzter Beistimmung seines Vaters,im Sommer 1505 ins Kloster der Augustiner-Eremiten, und unterzogsich den niedrigsten Aufträgen mit dem größten Eifer; ja er konnte niegenug thun und quälte und kasteite sich, daß es seine Mitbrüder oft er-barmte. Wollte er dadurch seinen Hochmuth und das Andenken an dieVergangenheit vernichten, so suchte er durch fleißiges Studium der Kir-chenväter und der Heiligen Schrift sich selbst wiederzufinden, aber in er-neuerter, besserer Gestalt. Besonders interessirte ihn die Bibel, welche erium ersten Male als Student auf der Universitätsbibliothek gesehen undletzt in der Bibliothek seines Klosters, an eine Kette geschlossen, wiederfand.Doch alle Kasteiung und alles Studium gaben ihm den ersehnten Frieden"icht wieder; die Angst um seine Seligkeit stürzte ihn in eine schwereKrankheit. Ein alter Klosterbruder nahm sich des amen Leidenden lieb-

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