1. Kap.)
Luther und Mclanchthon.
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Buße nicht, da sie ja Ablaßzettel hätten. Luther erschrak, predigteam nächsten Sonntage gegen diesen Ablaß und nannte ihn Betrug. Tezel,der sein Gewerbe dadurch beeinträchtigt sah. ließ dafür in Jüterbogk einenScheiterhaufen errichten und drohte Luthern zu verbrennen, ohne zu be-denken, daß die Handhabung des Ablasses in dieser Weise nicht Kirchen-vorschrist war. Am 31. October l517 schlug Luther die berühmten fünf-undneunzig Sähe (Thesen) gegen den Ablaß an die Schloßkirche zu Wit-tenberg, mit dem Erbieten, sie wider Jedermann zu vertheidigen; denndie katholische Kirche lehre, daß der Ablaß ein Erlaß der Kirchenstrafengegen Erlegung von Geld zum Besten der Kirche, zum Ankauf kirchlicherGerüche und Anderem mehr sei. Wahre Buße solle dadurch nicht ent-behrlich gemacht werden. So faßte auch Luther den Ablaß, und erklärte,daß kein Bischof und Papst unter einer anderen Bedingung Sünden ver-geben könne, als unter denen es Gott verordnet habe. Das göttliche Wortkenne Ablaßbriefe gar nicht.
JeneThesen durchflogen Deutschland, ja Europa in wenigen Wochen.Obgleich Tezel durch seinen Freund Koch, genannt Wimpina, Rectorder Universität Frankfurt a. O., Widerlegungen und Antithesen schreibenließ, so wirkten dieselben doch wenig, weil sie das untrügliche Ansehenund die unbeschränkte Macht des Papstes zu sehr hervorhoben, über welcheDinge der allgemeine Glaube längst hinaus war.
Der Papst nahm die Sache anfangs leicht, als ein Gezänk zwischenzwei Bettelorden, die auf einander eifersüchtig seien, und wurde darindurch den Eifer bestärkt, mit dem die Dominicaner aller Orten sich ihreshart angegriffenen Ordensgenossen Tezel annahmen. Allein Leo X.mußte, um die Sache nicht zu weit kommen zu lassen, sich doch dareincitirte Luther binnen sechzig Tagen nach Rom (1518).Auf Verwenden seines Churfürsten durste Luther indeß seine Rechtser-tlgung vor dem Cardinal Cajetan in Augsburg anbringen. Dieser hatteBefehl, Luther zu absolviren, wenn er widerriefe, ihn aber zu verhaften,wenn er starrsinnig bei seinen Behauptungen bliebe.
Mit dem sicheren Geleite des Kaisers und der Stadt Augsburgversehen, erschien Luther in Augsburg und disputirte vom 12. bis 15. Ok-tober 1518 mit Cajetan. Derselbe war anfangs liebreich und herablas-send, schickte ihn aber, unfähig zu einer biblischen Widerlegung, zuletztsehr erzürnt fort.
Luther entfloh aus Augsburg, und appellirte an den besser zu un-terrichtenden Papst. Leo X. misbilligte in der That Cajetan's Verfahren,ebenso die Misbräuche des Ablasses, bestätigte aber die Lehre vom kirch-lichen Ablaß aufs Neue. Luther dagegen appellirte an ein allgemeinesConcil, wie an ein unparteiisches Gericht in deutschen Landen. SeinLandesherr gewährte ihm Schutz, und wies ihn nicht, wie Cajetan eS