Band 
(1500 - 1815)
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Kurfürst Friedrich der Weise.

sS. Buch.

wurde dem vr. Eck übertragen. Allein Eck wurde in Städten und aufUniversitäten verhöhnt, die Bulle abgerissen und mit Koth beworfen. Jadie Bischöfe, welche darin einen Eingriff in ihre Rechte sahen, verbotenihre Bekanntmachung. Streng katholische Landesherren unterdrücktenihren Haß und Abscheu vor Luther, um den Bischöfe» beizustehen. Daschleuderte der Reformator eine Flugschrift „wider die Bulle des Anti-christs" in die Welt, und Hütten schrieb den geistvollen Dialog „der Bul-lentödter". Luther erneuete seine Apellation vom Papste, als einem ver-härteten Ketzer, an ein freies christliches Concilium, zog am 10. De-cember 1520 an der Spitze der Studenten, Professoren und Bürger vordas Elsterthor in Wittenberg und warf die Bannbulle sammt dem päpst-lichen (cauonischen) Recht ins Feuer. So war der kühne Wurf geschehen.Luther hatte Gleiches mit Gleichem vergolten und der Hierarchie ewigeFehde angekündigt. Friedrich der Weise forderte von Erasmus ein Gut-achten über das Luther'sche Beginnen. Der meinte: „Luther hat zweiVerbrechen begangen: daß er den Mönchen an die Bäuche und dem Papstan die Krone gerissen hat."

Mittlerweile war am 28. Juni 1520 der spanische König Karl I.,Maximilian's Enkel (H. 117.), zum deutschen Kaiser gewählt und am23. October zu Aachen als Karl V. gekrönt worden. Friedrich der Weisehatte die Krone ausgeschlagen, weil seine Hausmacht zu gering war, unddurch seine Beredsamkeit Franz's I. Hoffnungen auf den römischenThron vernichtete. Zugleich empfahl er zur Sicherung der deutschen Frei-heit, den neuen Kaiser durch eine Wahlcapitulation zu binden, worin dieBedingungen festgestellt wurden, unter denen Karl die Krone übernehmendurfte. Dadurch erhielt die fürstliche Gewalt neue Garantien, woge-gen der römische Hof in seinen Befugnissen sehr beschränkt und die Städte-bündnisse aufgehoben wurden. Die Folge davon war, daß auch die alteHansa vollends ihre frühere Macht und Bedeutung verlor. Georg Wut-lenweber, Bürgermeister von Lübeck, welcher den Bund der Seestädtedurch die Reformation zu befestigen und den alten Glanz der Hansa imKampfe gegen die nordischen Könige zu erneuern bestrebt war, endete aufdem Schaffst (1536), wohin ihn die ehrvergessene Bürgerschaft sandte.

Der neue Kaiser Karl V. fand Deutschland in der vorhin beschriebe-neu reformatorischen Bewegung. Luther's Sache war zu tief ins Volk ein-gedrungen, hatte in des Reiches Ordnung zu empfindlich eingegriffen, alsdaß der Kaiser davon nicht hätte Kenntniß nehmen sollen. Allein Karlwar einerseits durch Dankbarkeit an Friedrich den Weisen geknüpft, ande-rerseits sehr langsam in seinen Entschlüssen, wiewohl er, waren fie einmalgefaßt, desto heftiger auf ihrer Ausführung bestand. Der Papst hatte dieWahl nicht gern gesehen, wogegen jetzt Karl die Verlegenheiten, welcheLuther dem Papste bereitete, nicht ungern sah. Der Kaiser, bestrebt, den