20 Thomas Münzcr und der Bauernkrieg. (3. Buch.
wurde der Aufstand gegen den Abt von Kempten am 12. Januar 1525.Diese Nachricht durchlief wie ein Signalfeuer alle Ortschaften Baierns,Würtembergs und der Pfalz. Von Dorfe zu Dorfe zogen die Bauern-rotten und schwollen unterwegs zu Tausenden an. „Krieg den Schlossern,Friede den Hütten!« war ihre Losung. Die Burgen und Herrenwohnun-gen wurden überall geschleift und ihre Eigenthümer meist mit Frau undKind nach grausamen Mishandlungen ermordet. Nicht besser erging esden Klöstern, Mönchen, Priestern und Nonnen. Die Bauern hofften ausdie Unterstützung des Adels, welcher unter Sickingen einen Versuch zurBehauptung seiner mittelalterlichen Privilegien gegen die Fürstengewaltgemacht hatte; allein nur sehr wenige, z. B. der entschlossene FlorianponGeyer, gesellten sich den Bauern bei, und kriegserfahrene Ritter mußtenerst zum Anführeramte gezwungen werden. So ging es namentlich GötzvonBerlichingen, welcher auf vier Wochen Hauptmann des hellen Hau -sens werden mußte. Als Götz bei der Plünderung des KlostersSchönthal in Würtemberg erschien, um seinem bedrohten Bruder Hansbeizustehen, sprachen die Bauern nur von den geistlichen Herren der StifteMainz und Würzburg, gegen die sie zu Felde ziehen wollten; vom Adelwar gar keine Rede, weil man auf diesen rechnete. Allein der Adel hatteselbst Bauern, und machte daher lieber mit den Fürsten gegen die Bauern,als mit diesen gegen die Fürsten gemeinschaftliche Sache. — Von denFührern aus den höheren Ständen sind, außer Florian Geher, der hoch-herzige, aber etwas überspannte, hohenlohische Kanzler Wendel Hip«ler, und der nur im Geheimen durch die Schrift wirkende FriedrichWeigant von Mitten berg zu nennen. Der größte und gewalt-thätigste Hause war der „helle", die Bauern des Odenwaldes undNeckarthales, welche der Schankwirth Georg Metzler von Ballenbergund der entschlossene, grausame Jäcklein Rohrbach von Böckingenführten. Die Chronik des Klosters Schönthal erzählt umständlich, wiedie Bauern hier gehaust, wie Metzler sich hier förmlich niedergelassen, dieAltäre entheiligt und das Geräthe geraubt, die gewaltigen Kirchenfenstereingeschlagen, einundzwanzig Fuder Wein mit seinen Leuten ausgetrunken,und Höft und Dörfer niedergebrannt habe.
Der schwäbische Bund brachte zuerst ein Heer auf, an dessenSpitze Georg Truchseß von Waldburg, ein geschickter, tapfereraber sehr roher und kaltblütig grausamer Kriegsmann, gestellt wurde.Nachdem der Truchseß mehrere kleine Banernhaufen geschlagen hatte,wurde er von einem feindlichen Heere bei Weingarten eingeschlossenund machte, um sich aus dieser fatalen Lage zu befreien, mit den Bauerneinen Vertrag, kraft dessen sie ihre Beschwerden schriftlich vorbringen, sichselbst aber in ihre Heimath zerstreuen sollten. In diesem Vertrage ver-