Band 
(1500 - 1815)
Entstehung
Seite
39
JPEG-Download
 

1. Kap.j

Johann Friedrich der Großmüthige.

39

los und brachten sie zu den Ihrigen. Nun wurden dieselben mit tüchti-gen Schützen bemannt, welche den Durchgang der Reiterei durch die Elbedecken mußten. So gelangten die Kaiserlichen ans jenseitige Ufer. DerKurfürst befand sich in der Kirche, als man ihm diese Schreckensnachrichtbrachte. Er wollte sie nicht glauben und überhaupt erst die Predigt aus-hören. Nachher aber war aller Widerstand zu spät. Der Kurfürst warfsich in einen Wagen und fuhr davon. Ihm folgte, so gut es ging, seinHeer. Aber Albs mit seinen spanischen Reitern folgte ihm auf der Fersenach und zwang die Sachsen in der Lochauer Haide zum Stehen. JohannFriedrich hoffte die Schlacht bis zum Abend zu halten, um unter demSchutze der Nacht nach Wittenberg zu entkommen. Allein das unwider-stehliche Anprallen der kaiserlichen Reiterei brachte in die sächsischen Reihenschnelle Verwirrung. Nach kaum zwei Stunden war der Kurfürst ge-schlagen ; 3000 Leichen deckten das Schlachtfeld. Unermüdlich verfolgtendie spanischen Reiter die geschlagenen Feinde und machten viele Tausendzu Gefangenen. Auch der Kurfürst wurde aus der Flucht eingeholt undmußte sich nach wüthiger Gegenwehr ergeben. Sein Sohn entkamglücklich zu der besorgten Knrfürstiu nach Wittenberg.

Blutend, ein Bild des Jammers, wurde Johann Friedrich von demHerzoge Alba vor den Kaiser geführt, der ihn nicht gerade freundlich em-pfing. Ein Kriegsgericht verurtheilte den Kurfürsten zum Tode. JohannFriedrich konnte seinen Kopf nur durch die llebergabe her starken FestungenWittenberg und Gotha lösen. Der Kaiser verurtheilte darauf den Kur-fürsten zu ewiger Gefangenschaft, erklärte ihn seiner Länder und Würdenfür verlustig, und übertrug beide dem Herzog Moritz. So erhielt die jün-gere albertinische Linie das Kurfürstenthum zu dem Herzogthum Sachsen,während die ältere erneftinische Linie des Hauses Wettin einen spätervergrößerten Landstrich in Thüringen erhielt. Der Kurfürst bliebzwar in Gefangenschaft, wurde aber von Karl sehr mild undfreundlich behandelt. Ueberhaupt suchte Karl in Sachsen die lie-benswürdigsten Seiten seines Charakters herauszukehren, um denLeuten zu zeigen, wie sehr man sich in ihm getäuscht habe. Auch Karlbekannte, sich in den protestantischen Sachsen geirrt zu haben; denn,statt unruhiger sittenloser Menschen, fand er ein herzliches, frommes Volk.das streng am Evangelium und an guten Sitten hielt. Wie Karlin Oberdeutschland keine Aenderung hinsichtlich der Religion vorgenom-men , so that er es auch in Wittenberg nicht. Den protestantischen Got-tesdienst, welchen man aus Furcht schon eingestellt hatte, befahl er wiederzu halten, und Bugenhagen predigte am Pfingstseste über den Unterschiedder lutherischen und papistischen Religion. Karl soll selbst Luther's Grabbesucht und Alba's Ansinnen, die Gebeine dieses Ketzers ausgraben und ver-brennen zu lassen, mit den Worten abgewiesen haben: „Ich führe keinen