2. Kap.) Philipp >l- von Spanien und Alba. - 61
sieben nördlichen Provinzen besonders zahlreich waren, den Jnquifitions-proccß ein. Philipp hatte seine Halbschwester Margarethe von Parmaals Statthaltern! in den Niederlanden zurückgelassen und ihr den Cardi-nal Granvella zur Seite gesetzt. Vierzehn neue Bischofssitze wurdengegründet und Granvella Primas des Reichs. Da seine Partei, die' Cardinalistcn, im Staatsrathe Alles durchsetzte, beschlossen Wil-helm von Oranien, Graf Egmont und Gras Hoorne nicht mehr imStaatSrathe zu erscheinen. Margarethe bat deshalb den König, den ver-haßten Granvella zu entfernen; zwar willigte Philipp in dies Begehren;allein dem Grafen Egmont, welcher ihm gegen die ProtesiantenverfolgnngVorstellungen machte, ertheilte er eine abschlägige Antwort. Dagegenbefahl er, die Tridentinischen Schlüsse einzuführen und die Gefetze gegendie Ketzer mit aller Strenge zu vollziehen. Solche Eingriffe ertrugen dieNiederländer nur mit geheimem Jngrimmc und da alle Vorstellungen derStände vergeblich waren, so schloß der Adel (1566) den Compromiß zuBreda, zur Erhaltung seiner verfassungsmäßigen Rechte, zur Abwehr derInquisition und zum gegenseitigen Beistande in Neligionsverfolgungen.
Am 5. April 1566 ritten vierhundert der entschlossensten Adeligenunter Anführung Heimich's von Brederoda in Brüssel ein. zogen glieder-weise geordnet nach dem Palaste der Statthaltern! und überreichten ihreine Bittschrift wegen einstweiliger Aushebung der Kctzergesetze. Marga-rethe war betroffen: allein Graf Barlaimont flüsterte ihr zu, sie solle sichvor solchen Bettlern (Kneux) nicht fürchten. Von nun an nannten sichdie protestircnden Adeligen selbst Geusen und trugen das Bildnißdes Königs auf der Brust, mit der Umschrift: „Treu bis zum Bettelsack."
Margarethe ertheilte den Abgeordneten eine zweideutige Antwort undbefahl den Inquisitoren, mit ihrem Verfahren einzuhalten. Da erhobendie fremden protestantischen Prediger wieder ihr Haupt, predigten aufallen Plätzen und vor den Thoren der Sädte und erhitzten die Gemütherdes Volks gegen den Papismus, den Bilderdienst und die Messe. So-gleich stürmte das fanatisirte Volk Kirchen und Klöster und zertrümmertemit frechem Höhne ihren Schmuck. Binnen drei Tagen zählte man 400verwüstete Kirchen. Diese unsinnigen Greuel trennten die Katholiken undProtestanten von einander deren getheilte Opposition gegen den Kö-nig unwirksam wurde. Zugleich boten diese Greuel den königlichen Trup-pen unter dem gesürchtetcn Kriegshelden Alba eine Gelegenheit, in dieNiederlande zu dringen. Alba herrschte von 1567—1573 mit schreck-licher, unerhörter Grausamkeit, da die milde Margarethe gleich nach seinemErscheinen ihre Würde niederlegte. Noch vor Alba's Ankunft verließenan hunderttausend Menschen ihr Vaterland und flohen nach Deutschlandoder England. Graf Wilhelm von Oranien war unter ihnen, währendEgmont und Hoorne zurückblieben. Oranien und Egmont nahmen mit