2. Kap.) Rudolf II. Crell. Kepler. Galilei. Copernicus. 81
Eintrachtsformel (1577), die nichts weniger als geeignet war, Ein.tracht zu schaffen, wie sie denn in Hessen, Anhalt, Pommern, Braunschweig,Mecklenburg, Holstein und in vielen freien Städten nicht eingeführtwurde. So wurde die Zwietracht unter den Protestanten durch dieEintrachtSsormel noch größer. Diese Erfahrung rief in vielen Gemütherneine mildere Stimmung hervor. Christian I., Kurfürst von Sach-sen (1586), war Calvinist, und sein Kanzler Nicol au sCrell machteihm den Vorschlag, beide Kirchen zu vereinigen. Die erledigten Aemterwurden mit Philippisten besetzt, das Kanzelgezänk verboten und die Tcu-felaustreibung bei der Taufe abgeschafft. Nicolaus Crell würde leichter znseinem Ziele gelangt sein, wenn nicht dem Emporkömmlinge von Seitendes Adels Hindernisse bereitet worden wären. Als nun Christian (1591)starb, und der Jenenser Herzog Friedrich Wilhelm die vormnndschaftlicheRegierung führte, wurde der vom Adel verklagte Crell als Hochverräthergefangengesetzt und nach zehnjähriger Haft enthauptet.
So endeten die Versuche, die reformirte und lutherische Kirche zuuntren. In diese Kämpfe wurde auch der große Astronom Kepler (geb.1571, gest. 1631) verwickelt, welchem vom Tübinger Konsistorium eineAnstellung versagt wurde, weil er sich weigerte, dieVerurtheilungderCal-vinisten zu unterschreiben. Er fand endlich bei dem Kaiser Rudolf H.gastliche Aufnahme, berechnete hier mit Tycho de Brahe die Pla-netenbahnen und entdeckte deren Gesetze, wie die ihrer Entfernungen. Mehrals einmal drängten ihn die Jesuiten, katholisch zu werden, aber er wolltelieber hungern, als die Augsburgische Konfession verleugnen. Der KaiserRudolf liebte die Astrologie und Alchymie, wie alle hohen Personen derdamaligen Zeit. Die Astrologie war der besondere Glaube der vornehmenWelt; jeder Hos mußte einen Sterndeuter haben, der die Zukunft ausden Constellationen der Gestirne lesen konnte. Kepler glaubte an dieseThorheit nicht und beschäftigte sich wissenschaftlich mit Erforschung desHimmels. Darin wurde er von TychodeBrahe. einem geübten Be-obachter der Gestirne, unterstützt. Das Zusammenwirken dieser beidenMänner, wie der briefliche Verkehr Kepler's mit dem berühmten Gali-lei, brachte uns eine neue Wissenschaft: die Sternkunde. Keplerund Galilei kamen durch ihre Forschungen zu dem Ergebniß, daß die Co-pernicanische Weltordnung die richtige sei. Der Domherr Copernicusaus Thorn (geb. 1473, gest. 1543) hatte die alte Ptolemäische Welt-ordnung umgestürzt, wonach die Erde im Mittelpunkte der Welt als einfester Stern stehen sollte, um den sich die Planeten (einschließlich der Sonne)bewegten. Diese Ptolemäische Weltordnung hatte die kirchliche Sanction unddie biblische Rechtfertigung erhalten, daJosna gesagt hatte: „Sonne, stehestill!" Copernicus lehrte aber, daß die Sonne ein Fixstern im Mittelpunktedes Planetensystems sei und sich blos um ihre Axe bewege, daß die Planeten
Wellgischlchte, U. g