Johann von Sobiesky.
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13. Buch.
Kahlenberge beantwortet wurde. „ Die Hilfe ist nahe! Laßt uns wackeraushalten!" So ging es von Munde zu Munde.
Karl von Lothringen hatte endlich alle Verstärkungen an sich ge-zogen : 30,000 Deutsche und 20,000 Polen mit ihrem tapfern KönigeJohann Sobiesky. Am Morgen des 12. Septembers stieg daschristliche Heer von den waldigen Höhen des Kahlmberges in die Ebenenieder. Kara Mustapha, in Gefahr, die Flüchte einer neunwöchentlichenBelagerung zu verlieren, knirschte vor Wuth, warf sich wie wahnsinnig aufdie Erde und ließ sofort alle gefangenen Christen, 30,000 an der Zahl,niedermetzeln. Dann schickte er seine Schaaren den Christen entgegen,ohne die Bestürmung Wiens abzubrechen. Das war ein heißer Tag!Fürsten und Völker wetteiferten in Tapferkeit, vor Allen Johann So-biesky, welcher mit seiner Reiterei in die dichtesten Hausen der Feindesprengte und von dem talentvollen Karl von Lothringen trefflich unter-stützt wurde. Am Abend war der Sieg entschieden, Kara Mustapha be-fand sich auf der Flucht, sein Heer in wilder Auflösung. UnermeßlicheBeute fiel den Siegern in die Hände. Das ganze Lager von 15,000Zelten, worunter das prächtige grünseidene und goldschimmernde Zelt desGroßveziers mit seinen Kostbarkeiten allein 400,000 Thaler an Werthbetragen haben soll, dazu die reiche Kriegskasse der Osmanen, ihr ganzesGeschütz, die Fahnen und Feldzeichen. Auf ihrem Rückzüge hausten dieBarbaren indeß noch fürchterlich und schleppten 87,000 Menschen jeg-lichen Geschlechts mit sich fort in Sklaverei.
Der Jubel der Wiener über den herrlichen Sieg kannte keine Gren-zen; voll unbeschreiblichen Entzückens stürzten sie über die Wälle insLager und drängten sich um Sobiesky und Karl, küßten ihnen die Hände,Füße und Kleider und erhoben bei dem Einzüge des tapfern Heeres einsolches Bivatgeschrei aus Sobiesky, daß der inzwischen zurückgekehrte Kai-ser Leopold ganz unbeachtet blieb. Dieser neidische und förmliche Mannhatte lange hin und her überlegt, wie er den Sobiesky, einen bloßenWahlkönig, empfangen solle, als Karl treffend ausrief: „mit offenen Ar-men, denn er hat das Reich gerettet." Indeß ernteten Sobiesky und diebeiden Kurfürsten von Sachsen und Baiejjji nur einen kalten, gemessenenDank vom Kaiser.
Der Held des Tages war Johann Sobiesky; seine Tapferkeit wieseine uneigennützige Aufopferung waren sogar Gegenstand von Kanzelvor-trägen. Der Dechant der Stephanskirche predigte über die Worte derSchrift Joh. 1, 6: „Und es war ein Mensch von Gott gesandt, der hießJohannes." und erntete viel Lob wegen seines Einfalls. Sob iesky schriebaus dem türkischen Lager an seine Gemahlin: „ In dem Augenblicke, woder Feind zu weichen anfing und ich hatte dem Vezier gegenüber denstärksten Stoß zu bestehen, kam die Reiterei des übrigen Heeres auf mei-