Kaiser Karl VI.
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4. Kap.)
wen wurde. Als nun Karl die Utrechter Friedensbedingungen empfingund aus seinen Träumen unsanft gerüttelt wurde, zürnte er heftig undbeschloß, den Krieg weiter zu führen. Allein seine Mittel standen mit sei-nen Entschlüssen nicht im Verhältniß. Die größeren Reichssürsten, Preu-ßen, Sachsen und Hannover, entzogen ihm ihre Kontingente, da sie in dennordischen Krieg verwickelt wurden. Villars leitete an der Spitze einesgroßen Heeres den Krieg am Rhein und konnte durch Eugen nicht einmalan der Einnahme Freiburgs gehindert werden. Dies machte den geldar-men Kaiser zum Frieden geneigt. Eugen und Villars eröffneten daheram 7. März 1714 zu Ra stadt die Präliminarien und bestimmten Ba-den in der Schweiz zum Friedenscongreßort. Der Kaiser, mit Vollmach-ten des Reichs versehen, und Ludwig XIV. ordneten allein die Bedin-gten des Friedens von Baden (7. September 1714). Der Kaisererhielt von Frankreich das Königreich Neapel, Mailand, Mantua undauch die Niederlande gewährleistet, wenn er den Holländern die Banierevon acht Grenzsestnngen bestätigte. Ludwig gab für Landau die Festun-gen Breisach, Freiburg und Kehl heraus. Die Kurfürsten von Kölnund Baiern wurden in ihre Länder und Würden wieder eingesetzt. Dort,wo die Franzosen die katholische Religion eingeführt hatten, sollte sie er-halten werden.
Fast gleichzeitig starb die Königin A n n a (1702—1714), nachdemsie ihre neunzehn Kinder zur Gruft begleitet hatte. Während ihrer Re-gierung wurden England und Schottland zum Königreich Großbritannienvereinigt und beide Parlamente (1707) zu Einem verbunden. Unter ihrwar die sogenannte classische Zeit der englischen Literatur, welche sichnach dem Muster der correcten, schönrednerischen und geistreichen Poesieder Franzosen gebildet hatte. Die berühmtesten Schriftsteller dieser Zeitwaren: Alexander Pope (11744), der ein komisches, recht geistrei-ches Epos „der Lockcnraub" dichtete, Thomson (11748), der Dichter„der Jahreszeiten", der poetisirende Philosoph Uoung (11765), derVerfasser der „Nachtgedanken über Tod und Unsterblichkeit", der scharfeund sehr witzige Satiriker Ionathan Swift (11745 wahnsinnig),der in seinem Märchen von der Tonne die Blößen der christlichen Reli-gionspartelen angriff und, zuerst eifriger Whig, dann im Lxnminer denHerzog von Marlborough scharf geißelte. Noch heute ist sein komischerRoman Gulliver's Reisen zu den Liliputanern in allen Ländern eine be-liebte Lectüre. Addison und Steele wurden dieBegründer der scharf-sinnigen und gediegenen englischen Publicistik. Auf Anna folgte der Kur-fürst von Hannover, Georg I. (11727), dessen Minister viel mit derBeobachtung und Entdeckung jakobitischer Umtriebe zu thun hatten.
Trotz des Utrechter Friedens dauerte der Krieg zwischen Philipp V.und Karl VI. fort. Barcelona, die letzte Stadt Spaniens, welche