Band 
(1500 - 1815)
Entstehung
Seite
185
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6. Kap.) Friedrich I. und Friedrich Wilhelm I. 185

Die Wuth des Königs kannte keine Grenzen. Indeß mäßigte ersich, bis man aus eigenes Gebiet kam. Hier brach der Zorn los; der Kö-nig soll seinen Sohn bei der Brust gefaßt und ihm mit dem Stockknopfdie Nase blutig gestoßen haben. Mit verbissenem Schmerze rief der Kron-prinz aus: „Nie hat ein brandenbnrgisches Gesicht solche Schmach crlit-ten!" Friedrich wurde nach Wesel transportirt und am andern Tage demMonarchen vorgefahrt, welcher ihn in der ersten Hitze erstechen wollte. DerCommandant, General von Mosel, warf sich aber dazwischen und rief:„Tire, durchbohren Sie mich, aber schonen Sie Ihres Sohnes." Fried-rich wurde nun nach Mittenwalde gebracht, da er sich aber im Verhöregegen Grmnbkow heftiger Ausdrücke bediente, aus die Festung Küstrin ge-schickt und wie ein Sträfling behandelt. In Berlin wüthete der Königgegen Alle, welche um des Kronprinzen Flucht gewußt, wie gegen derenAngehörige. Katte wurde vom Kriegsgerichte zu Festungsban verurtheilt.Dem strengen Monarchen war dies zu wenig; er cassirte das Urtheil undverhängte die Todesstrafe des Schwertes über den Unglücklichen. Derältere Keith war nach England entkommen.

Um den Kronprinzen aufsein Schicksal vorzubereiten, befahl derKönig, die Hinrichtung Katte's solle zu Küstrin vollstreckt werden. Diesgeschah am 6. November 1730 früh um 7 Uhr, unter den Fenstern desPrinzen über der Mühlenpforte bei der Wache. Der Kronprinz wurde ge-nöthigt, aus seinem vergitterten Fenster die Hinrichtung des Freundes mitanzusehen. „Vergebung, theurer Katte!" rief er ihm zu. Dieser sprach:„Er wisse von nichts, das er ihm zu verzeihen hätte." Darauf nahm ersich selbst das Halstuch ab und richtete sein Gesicht nach dem Prinzen.Friedrich sank in Ohnmacht. Als er wieder erwachte, war Alles vorüber.In der Nacht phantasirte er heftig, und rief fortwährend nach Katte. Erdachte, daß ihm ein gleiches Loos bevorstehe, denn schon machte der harteVater Anstalt, ein Kriegsgericht zusammenzubernfen und von diesem denTod des Kronprinzen zu verlangen. Der König fand hier das Gericht wil-liger, als bei Katte. Mit Ausnahme von zwei Stimmen fällten alle Rich-ter das Todesnrthcil. Da eilten der Kaiser und andere Monarchen, Für-bitten bei dem Könige einzulegen. Friedrich Wilhelm bedeutete sie, daßdies eine häusliche Angelegenheit sei. Stur den Vorstellungen einiger hoch-geachteter Generale, des Feldmarschalls von Natzmer, des Fürsten Leopoldvon Dessau und des Generalmajors von Bnddenbrock, verdankt der großeFriedrich sej,, Leben. Bnddenbrock erklärte dem Könige entschieden:»Wenn Ew. Majestät durchaus Blut wollen, so nehmen Sie meines, dasdes Kronprinzen bekommen Sie nicht, so lange ich noch sprechen darf."Auf den Bericht des Feldpredigers Müller, welcher Katte zum Tode be-gleitet und Friedrich im Gefängnisse zum Geständniß seiner Sünden undjur Rene gebracht hatte, wurde der König milder gestimmt und begna-