Band 
(1500 - 1815)
Entstehung
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190
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Friedrich 7. und Friedrich Wilhelm 7.

s3. Buch.

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dringen. Gleich nach der Huldigung bedauerte einer dieser Gesandten eSsehr, daß er dem nachdenklich auf dem Balkon des Schlosses stehenden Kö-nig nicht ins Herz schauen könne, um die Entwürfe, welche seine Seele be-wegtcn, zu enträthseln. Ein anderer Gesandter schreibt an seinen Hos:„Alle, die von Rheinsberg kommen, sagen einstimmig, daß der König denganzen Tag hindurch mit einer Emsigkeit, die einzig ist, arbeitet und denAbend sich den Vergnügungen der Gesellschaft mit einer Munterkeit undgeistvollenLaunc hingiebt, welche diese Abendgesellschaften entzückend machen.Denn es ist die allgemeine Meinung, daß er unwiderstehlich ist, wenn ersich vorgenommen hat, Jemand zu fesseln. Will er verreisen, so pflegt erDie, welche ihm folgen sollen, nur wenige Stunden vor seiner Abreise zubenachrichtigen, und er findet sie bereit, da er weder einen Hof, noch Höf-linge, sondern lauter Generale, Prinzen und Adjutanten zu Begleiternhat." — Das kostspielige Riesenregiment paradirte bei der Beisetzung desverstorbenen Königs zum letzten Male; dann wurde es ausgelöst und da-für scchszehn neue Jnsanteriebataillone errichtet.

57. Allgemeine Ansicht dieses Zeitalters.

Am 20. October 1740 starb Kaiser Karl VI. und Maria The-resia, durch Schönheit, Geist und Tugend ausgezeichnet, übernahm dieRegierung. Ihr folgte der nicht minder merkwürdige Joseph II. InRußland bestieg fast gleichzeitig mit Maria Theresia und Friedrich II.Elisabeth I. den Thron, deren Nachfolgerin die„Semiramis des Nordens",die deutsche Fürstentochter Katharina II. war. In England herrschteGeorg II., in Frankreich Ludwig XV., der Sclave der sittenlosen Mar-quise von Pompadour. Mit Ausnahme des letzteren Königs sehen wiralso damals eine Menge ausgezeichneter Regenten, umgeben von gro-ßen Feldherren, kühnen Staatsmännern, berühmten Dichtern und Philo-sophen die Throne Europas behaupten. Der rauhe Norden entfaltete un-ter Friedrich's H. Schwester, der schwedischen Königin Ulrike, sogar dieKeime einer tieferen wissenschaftliche» Bildung. Aber Friedrich überstrahltalle jene Herrscher an Heldenkrast, Tugend und Weisheit; er ist das Ge-stirn, welches seine Zeit erhellt und ihr den Namen gegeben hat.

Noch während seines Lebens erstieg die deutsche Literatur den Zcnithdes Glanzes. Gerade die Abneigung Friedrich's gegen dieselbe hat nichtwenig zu ihrer freien Entfaltung beigetragen und die Dichtkunst vor demVersinken in seile Schmeichelei bewahrt. Abgesehen von Halter, Bodmer,Geliert, Gleim, Ramler, Bürger, Göckingk, Lichtwer, Pfeffel und Kleist,welche nicht ohne Verdienst um unsere Literaüir find,blühten damalsKlop-stock, der Sänger der Messiade, Lessing, welcher das Schwert der Kritikmit kräftigem Arme gegen das Frankenthum schwang und dem Geiste seiner