Band 
(1500 - 1815)
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197
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6. Kap.j

Friedrich der Große und Maria Theresia.

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war, gehörte entweder einer geistlosen Orthodoxie oder einer überspanntenProphetie an, wie sie der Prälat Bengelin seiner erklärten Offenba-rung Johannis gab. Dieser sah in der Apokalypse die Weissagung derWeltschicksale und berechnete aus ihr den Untergang der Erde auf dasJahr 1836. Unter solchen Umständen stehen Klopstock, Herder undClaudius groß und erhaben da mit ihrer Begeisterung und ihrer tiefenund gemüthlichen Auffassung des Christenthums. — Indeß feierte auchdie wahre Wissenschaft ihre Triumphe: Linne stellte sein Pflanzensystemauf, Lavoisier begründete die neuere Chemie, Ernesti, Voß, Wolfund Heyne führten das Studium der Alten zurück und Seniler bautedie Erklärung der biblischen Schriften auf neuen Grundlagen auf.

58. Friedrich der Große und Maria Theresia. 1. Derösterreichische Erbfolgekrieg (1740—1748). 2. Der ersteund der zweite schlesische Krieg (1740 — 1742 und1744—1745).

Kaum war die Nachricht vom Tode des Kaisers in Berlin einge-troffen, als Friedrich sogleich das Bett verließ, an welches ihn ein heftigesFieber gefesselt hatte. Der Feldmarschall Schwerin, der Minister Graf von-L Podewils und der geheime Cabiuetsrath Eichel wurden rasch nach Rheins-berg beschicken und hatten täglich sehr geheime Konferenzen mit dem Kö-nige. Da Friedrich im vollsten Sinne des Wortes allein herrschte unddie großartigsten Plane fast immer ohne Berathung mit seinen Ministernentwarf, so konnten die fremde» Gesandten nie etwas von jenen Geheim-nissen erfahren. Darauf versammelte Friedrich die Officiere der berlinerGarnison und erklärte ihnen, daß er einen gerechten Krieg beginne, in wel-chem er keine anderen Verbündeten, als ihre Tapferkeit und ihren gutenWillen habe. Nun machte er noch einige Bälle mit, tanzte fleißig,um seine ernsten Absichten zu verhüllen und reiste nach einem Maskenbälleplötzlich von Berlin ab.

Am 16. December rückten unversehens 28,000 Mann Preußen in^ das von Truppen entblößte Schlesien ein, um es als die Vormauer derbrandenburgischen Länder in Verwahrung zu nehmen und gegen Diejenigen,welche an die österreichische Erbschaft Anspruch machen würden, zu be-schützen. Den Schlcfiern erklärte Friedrich, daß er mit der Königin von. Ungarn in Unterhandlung stehe. In der That hatte er einen Gesandtennach Wien geschickt und von Maria Theresia nur die Fürstenthümer Glo-gau und Saga» verlangt, wogegen er die Garantie der pragmatischenSanction übernehmen und zwei Millionen Thaler bezahlen wollte. Ma-ria Theresia antwortete durch ihren Minister Bartenstein mit Wegwerfung.Die Schlesier, namentlich die Evangelischen, welche in Friedrich einen

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