6. Kap I
Das Jahr 1760.
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64 . Der siebenjährige Krieg (Fortsetzung). DasJahr 1760.
So unglücklich der vorige Feldzug geendet hatte, so unglücklich fingsich der jetzige wieder an. Friedrich hatte im Ganzen 90,000 Man», aberdas waren nur Soldaten für den Staat, angeführt von Officicrcn, dieman nur aus Noth dazu gemacht hatte, und selbst diese reichten nicht ein-mal aus. Die Feinde stellten ihm 200,000 Mann entgegen.
Friedrich belagerte Dresden und wollte Sachsen gegen Daun unddie Reichsarmee schützen, Heinrich sollte Brandenburg, FouqnetSchlesien decken. Der Letztere hütete mit 8000 Mann die Paffe vonLandshut. London griff ihn mit 20,000 Mann an (23. Juni),und vernichtete in einem zwölfstündigen Kampfe die preußische Infanterie;nur die Cavalcrie schlug sich durch. Die starke Festung Glatz ergab sicham 3. Juli an die Oesterreichcr; Breslan wurde hart bedrängt und hieltsich nur durch Tauenzien's Entschlossenheit und Umsicht. „Fouqnetist gefangen, aber er hat sich als Held vertheidigt," sagte Friedrich, als erdiese Nachrichten empfing. Der König stand nun von der Belagerung Dres-dens ab und eilte nach Schlesien. Ihm voran zog Daun, hinter ihm herder österreichische General Lasch. Dennoch kam Friedrich ungefährdet bisLiegnitz. wo er in der Nacht vom 14. zum 15. August im letzten Hauseder Goldberger Borstadt, in dem ehemaligen Bürgerspitale übernachtete.Soltikow stand in der Nähe von Breslau und wurde vom Prinzen Hein-rich gut beobachtet. Bei Friedrich's Annäherung wollte er sogar umkeh-ren, wenn Daun ihm nicht versichert hätte, daß er in Vereinigung mit Laschund dem von Breslau anrückenden London die Preuße» angreifen würde.Friedrich hatte kaum den Plan der Feinde erkannt, als er beschloß, Lou-don zu überraschen. Zu diesem Zwecke ließ er durch Bauern die Wacht-feuer auf der Goldberger Anhöhe (Siegcshöhe) unterhalten, während ergeräuschlos mit 14,000 Mann durch Liegnitz ging, und zwischen Pfaffen-dorf und Hummeln die Höhen besetzte. Ziechen mit 17,000 Mann sollteden vorrückenden Corps von Daun und Lasch die Stirn bieten und desKönigs Rücken decken.
Kaum dämmerte der Tag, es war zwijchen 2 und 3 Uhr Morgens,und Friedrich schlief, in seinen Mantel gehüllt, ruhig auf der Erde, alsdem Könige gemeldet wurde, daß feindliche Colonnen nicht 400 Schrittevom linken Flügel entfernt wären. Nasch ließ er eine Front bilden undden sorglos dahinziehenden London plötzlich überfallen. Das RegimentBernburg zeichnete sich vor Allen aus und bekam alle Ehrenzeichenwieder, die ihm Friedrich bei Dresden abgenommen, weil es dort sich nichttapfer genug geschlagen hatte. Um 5 Uhr war London aus dem Rückzüge;Friedrich hatte einen Streifschuß davongetragen. Ziethen wehrte jeder ernst-