6. Kap.) Friedrich'» des Großen Thätigkeit. 233
lungsgesellschaft <1772), mit dem ausschließlichen Salzhandel und demStapelrecht auf Wachs, besteht noch heute.
Wichtiger als dies Alles war die Begründung einer Bank in Berlinmit mehreren Filialbanken in den Provinzen durch acht Millionen Thaler,wodurch das Geldgeschäft der Kaufleute sehr vereinfacht und minder kost.spielig wurde. Leider mußte Friedrich nach dem Frieden seinem Landenoch einen großen Schmerz zufügen, sollte der Credit des Staates wachsenund Alles wieder in gehörige Ordnung kommen; er mußte nämlich dasbisherige schlechte Geld herabsetzen und besseres nach dem Graumanu'schenMünzfüße vom Jahre 1764 zu dem einundzwanzig Guldensnße schlagenlassen. Der Verlust der Einzelnen waren jedoch nach wenigen Jahrendurch den vermehrten Verkehr mit deni Auslande wieder ausgeglichen.
Am meisten hat der inl ändische Handel und Verkehr Friedrichdem Großen zu danken. Zunächst verbesserte er das Postwesen und zogCanäle, um die Flüsse miteinander zu verbinden, oder ihren Lauf zu re-geln und abzukürzen. So gewann Friedrich der Kroße durch den Oder-canal eine hübsche fruchtbare Landstrecke dem verheerenden Flusse ab undsetzte dessen Ueberschwcmmungeu dnrch gute Dammbanten Grenzen. Durchden Finowcaual verband er die Havel, durch den Brombcrgercanal dieWeichsel mit der Oder; der Johannisburgercanal erleichterte den Absatzdes Holzes aus den großen Wäldern Ostpreußens nach der Seeküste. Zuverwundern wäre es, daß Friedrich die Chaussee darüber ganz vergessenhat, wenn wir nicht wüßten, daß der Ruhm der Straßenbanten erst un-serem Jahrhunderte und einem andern außerordentlichen Manne vorbe-halten war — Napoleon.
Die Freunde Friedrich's, vom siebenjährigen Kriege an, sind vorAllem der Marquis d'Argens, der General von Winterfeidt und derMarschall Keith. Voltaire fand bei Friedrich in Sanssouci eine Freistätte,von wo er mit Nachdruck gegen die Rechtsverdrehuug fanatischer Richterund den Aberglauben der Menge schreiben konnte. Der eitle Mann besaßaber zu viel Selbstüberhebung und war klatschhaft und zänkisch, wie einWeib. Er hielt es sogar nicht unter seiner Würde , seinen königlichenGönner gegen Andere herabzusetzen und verächtlich die Werke des Philo-sophen von Sanssouci, welche ihm zur Correctur übergeben waren, mitschmutziger Wäsche zu vergleichen, die er bleichen solle. Friedrich ärgertesich mit Recht über diesen herzlosen Menschen und machte ihm bittere Vor-würfe. Voltaire entwich 1753 aus Sanssouci und nahm ein PacketGedichte von Friedrich dem Großen mit. Zu Frankfurt wurde indeß derVerräther angehalten, und mußte seinen Raub, wie den preußischen Kam-merherrnschlüssel abgeben. Dafür rächte sich Voltaire am Könige durcheine Schmähschrift: „Das Privatleben Friedrich's II., ivorin er Dichtungund Wahrheit so geschickt mischte, daß mancher Flecken und Schatten aus