Band 
(1500 - 1815)
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352
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Napoleon und Erzherzog Karl.

(4. Buch.

des Krieges. Soult zog zwar bei Corunna gegen die Engländer den Kür-zeren, aber diese betrauerten den Tod ihres heldemnüthigen Feldherrn Moore.Wellesley wurde sein Nachfolger, und führte den Krieg meist glücklichweiter. Nach dem Verderben der großen Armee in Rußland räumten dieFranzosen Spanien, um ihr Vaterland zn vertheidigen. Wellington folgteihnen über die Pyrenäen (1814), und trug nicht wenig zur schnellen Be-endigung des Krieges bei, welcher nach der ersten Einnahme von Parisnoch nicht seine Endschaft erreicht zu haben schien.

105. Napoleon und Erzherzog Karl (1809).

Oesterreich hatte nach dem Preßburger Frieden alle Mittel eines fer-neren Kampfes aufgeboten. Erzherzog Karl war an die Spitze des ge-sammten Kriegswesens gestellt worden,' und hatte darin vielversprechendeReformen vorgenommen. Da er die Ansicht hegte, daß der Krieg, als dasgrößte Uebel, welches einer Nation widerfahren könne, nur kurze Zeit dauernund auf möglichst günstige Art entschieden werden müsse, beschloß er, dasganze Volk wehrhaft zu machen, um bei dem bevorstehenden Kampfe dieKräfte aller österreichischen Völker entfesseln zu können.

Erzherzog Karl ging dabei mit großer Vorsicht zu Werke und wußtedie Kriegslust, welche bei dem Heere durch geächtete Deutsche rege erhaltenwurde, zu dämpfen, bis seine Reformen einigen Bestand gewonnen hätten.

Die glücklichen Kämpfe der Spanier gegen Napoleon führten den Erz-herzog auf die Seite, der Kriegspartci. Schon damals beabsichtigte Karl,den Krieg, welchen Oesterreich Napoleon ankündigte, zu einem deutschenFreiheitskriege zu machen. Daher erließ er an der Grenze Baierns einenAufruf an das deutsche Volk; worin er sagte: „Wir überschreiten dieGrenze nicht als Eroberer, nicht als Feinde Deutschlands, um deutscheVerfassungen, Rechte und Sitten und Gebräuche zu vernichten und fremdeaufzudringen, nicht »m Throne zu stürze» und damit nach Willkür zuschalten, nicht um Deutschlands Habe uns zuzueignen, und deutsche Männerin entfernten Unterjochuugskriegen aufzuopfern; wir kämpfen, um dieSelbstständigkeit Oesterreichs zu behaupten, und Deutschland seine Unab-hängigkeit und Natioualehre wieder zu verschaffen. Dieselben Anmaßungen,welche uns jetzt bedrohen, haben Deutschland bereits gebeugt. Unser Wi- !

verstand ist seine beste Stütze zur Rettung; unsere Sache ist die Sache j

Deutschlands. Mit Oesterreich war Deutschland selbstständig und glück-lich', nur durch Oesterreich kann Deutschland wieder Beides werden.Deutsche, würdiget Euere Lage, nehmt die Hilfe an, die wir Euch bieten,wirkt mit zu Eurer Rettung. Wir verlangen von Euch nur die Anstren-gungen, welche der Krieg für die gemeinsame Sache erfordert."