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Uebergang über die Donau.
(4. Buch.
herzog Karl war aus dem linken Donauufer den Franzosen nachgeeilt, undwartete auf den Augenblick, wo sie über den Fluß setzen würden.
Napoleon hatte sein Hauptquartier in Schönbrunn aufgeschlagen,und erließ von hier aus einen Befehl zur Auflösung der österreichischenLandwehr, einen Aufruf an die Ungar» zum Abfall vom Kaiserhause, undein Decret, welches die Einziehung des Kirchenstaates anordnete. AlsPapst Pius VII. ihn dafür in den Bann that, befahl Napoleon seineAbführung »ach Frankreich.
Nach diesen gewaltsamen Handlungen setzte der französische KaiserAlles zu einem Uebergange über die Donau in Bereitschaft. Er wähltedazu die große bewaldete Insel Lobau, welche nur durch einen 300 Schrittebreiten Flußarm vom nördlichen Ufer getrennt ist. Am 21. Mai ließ erhier eine Brücke schlagen, und setzte 50,000 Mann über, welche die Dör-fer Eßling und Aspern besetzten. Erzherzog Karl gab jetzt das Zeichenzum Angriffe, und es entspann sich ein höchst blutiges und hartnäckigesGefecht, dem erst die Nacht ein Ende machte. Napoleon hoffte unter demSchutze der Dunkelheit Verstärkungen an sich ziehen zu können. Alleinder Erzherzog hatte die Brücke durch brennende Fahrzeuge und großeBaumstämme, welche er oberhalb derselben hineingeworfen und dem ange-schwollenen Strome überlassen hatte, zerstört. Dadurch wurde NapoleonsLage sehr gefährlich; er mußte den Kamps am 22. Mai erneuern, undso lauge zuhalten suchen, bis die Brücke nothdürstig hergestellt war. Diebei-derseitigen Feldherren setzten sich dem größten Kugelregen aus; der tapfereMarschall Lannes fand hier seinen Tod; Bessiöres, Massen« undviele andere Generale wurden schwer verwundet. Die Franzosen zogen sichnach schweren Verlusten auf die Insel Lobau zurück. Hier saß Napo-leon , den Kopf auf beide Hände gestützt, in tiefem Nachsinnen über seinSchicksal, und im Schmerz über den Tod seines treuen Lannes versunken.Zum Glück für den Kaiser waren die Oesterreich«! nicht zahlreich genug,und von den Strapazen der zwei verflossenen Tage zu geschwächt, als daßsie einen Angriff auf die mit Geschütz und Mannschaft wohlversehene In-sel hätten unternehmen können. Karl zog sich daher nach Wagr am zu-rück und erwartete seinen Bruder Johann, während auch Napoleon be-deutende Verstärkungen zu sich rief.
Glücklicher, als das Hauptheer, hatten inzwischen die Heeresabthei-lungen der Erzherzöge Johann und Ferdinand gekämpft. Jener hatte denVicekönig Eugen beiSacile, dieser den Fürsten Poniatowskibei Warschau besiegt. Allein die Niederlagen Karl's nöthigten dieOesterreicher zum Rückzüge. Johann zog sich, stark verfolgt, nach Ungarn,wurde aber von dem Vicekönig eingeholt und am 14. Juni bei Raabgeschlagen. Er beeilte sich nun, das ungarische Aufgebot zu bilden undseinem Bruder Karl zu Hilfe zu kommen.