Band 
(1500 - 1815)
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366

Aufruf Friedrich Wilhelm's.

s4. Buch.

Fünftes Kapitel.

Die deutschen Freiheitskriege von 1813—1815.

109. Der Krieg bis zum Waffenstillstand von Poisch-witz, 4. Juni 1823.

König Friedrich Wilhelm III. von Preußen hatte von BreSlau ausam 3. Februar einen Aufruf zur Bildung freiwilliger Jägercorps erlassenund am 27. Februar zu Ka lisch Frieden und Bündniß mit Rußlandgeschlossen. Darauf erfolgte am 16. März die Kriegserklärung anFrankreich und am 17. März rief der König sein Volk zu den Waffenund befahl die Bildung der Landwehr und des Landsturms. Was Frie-drich Wilhelm damals in dem Aufrufe au sein Volk sprach, war das Ver-mächtniß der schon am 19. Juli 1810 verstorbenen Königin Louise, welcheim Kreise vertrauter Männer, wie Gneisenau's, Scharnhorst's und Har-deuberg's, stets den Gedanken einer Erhebung Preußens rege erhalten hatte.Als der Kampf nun losbrach, erblickte das Volk in der verklärten Königinden Schutzengel Preußens, welcher die Waffen und Fahnen jener Helden-söhne weihte und segnete.

Der König aber sprach in jenem Aufrufe: „So wenig für meintreues Volk, als für alle Deutsche, bedarf es einer Rechenschaft über dieUrsachen des Krieges, welcher jetzt beginnt. Klar liegen sie dem unver-blendeten Sinne vor Augen. Wir erlagen unter der Uebermacht Frank-reichs ; der Friede schlug uns tiefere Wunden, als selbst der Krieg. DasMark des Landes ward ausgesogen, der Ackerbau, sowie der Kunstfleißder Städte gelähmt, die Hauptfestungen blieben vom Feinde besetzt.Uebermuth und Treulosigkeit vereitelten meine besten Absichten und nurzu deutlich sahen wir, daß Napoleou's Verträge, mehr noch wie seine Kriege,uns langsam verderben mußten. Jetzt ist der Augenblick gekommen, woalle Täuschung aufhört. Brandenburger, Preußen, Schlesier, Pommern,Lithauer! Ihr wißt, waS Euer trauriges Loos sein wird, wenn wir denbeginnenden Kampf nicht ehrenvoll endigen! — Große Opfer werden vonAllen gefordert werden; denn unser Beginnen ist groß und nicht geringfind die Anzahl und die Mittel unserer Feinde. Aber welche Opfer auchgefordert werden, fie wiegen die heiligen Güter nicht auf, für welche wir fiehingeben, für die wir streiten und siegen müssen, wenn wir nicht aufhörenwollen, Preußen und Deutsche zu sei». Mit Zuversicht dürfen wir vertrauen,Gott und ein fester Wille werden unserer gerechten Sache den Sieg ver-leihen und mit ihm die Wiederkehr einer glücklicheren Zeit."