Band 
(1815 - 1854)
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Zustände unter Karl X.

sl. Kap.

doch nur ihre Interessen im Auge hatte. Karl war so von dieser Parteiumstrickt, daß er sich von ihren schönen Worten blenden und zu den un-klugsten Maßregeln verleiten ließ. Desto selbststäudiger und entschiedenerging er voran, wo es sich um die Vermehrung des Ansehens der Kircheund die Verbreitung kirchlicher Frömmigkeit handelte. Villöle solgte, umseinen Posten zu behaupten, dieser Richtung des Königs, obwohl er imInnern darüber lächelte. Nachdem Villele die Entschädigungen der Emi-granten durch eine Milliarde Francs durchgesetzt hatte, erschienen zweiandere Gesetze, welche in Frankreich noch mehr Aufsehen machten, als die1000 Millionen neuer Schulden. Dies waren das strenge Sacrilegiums-gesetz, wonach die Entweihung oder der Diebstahl heiliger Gefäße mitdem Tode bedroht war, und das Gesetz über die Einführung schwesterlicherVereine, jener Vorbote der Möncherei, des Jesuitismus und der Prose-lytenmacherei, welche den Frieden der Gesellschaft zu stören kommen.Der König zog in seine Nähe nur ultramontane Bischöfe, wie den Car-dinal Clermont Tonnerre, Erzbischof von Toulouse und de Latil, Erz-bischof von Rheims. Auch zum Erzieher des Herzogs von Bordeaux nahmer einen der eifrigsten Kirchenfürsten, den Bischof Thaun von Straßburg.Die geistlichen Vereine, Kongregationen, von Jesuiten geleitet, schössen wiePilze auf und zählten viele Mitglieder, welche durch die Aussicht gelocktwurden, für einen wöchentlichen Beitrag von fünfzehn Centimen und fürdas Lesen eines Paternosters und Ave Maria's oder das Anhören einerMesse, ihrer Sünden ledig zu werden. Der Abbe Lammenais führte durchdie Presse die Vertheidigung des Ultramontanismus, verdammte dieCharte und rechtfertigte die Unduldsamkeit gegen Andersgläubige. Ja ernannte jede Regierung gottlos, welche die Erziehung des Volks den Prie-stern entziehe oder eine Oberaufsicht üben wolle, da eine Regierung erstdurch die Kirche legitime Rechte erhalte, und ihr folglich gegen die Prie-ster keine Rechte zustünden. Dieser Ansicht folgten König und Ministe-rium, indem sie fleißig den Processionen beiwohnten und Stabsofficiereund Präsecten entsetzten, oder im Avancement zurückhielten, wenn ihnendie Pfarrer kein gutes Zeugniß über ihren kirchlichen Sinn und ihre Aus-führung ertheilten. Je gesuchter aber dieses ganze Gebühren schien, um sounverhohlener wurde es durch die öffentliche Meinung bekämpft oder ver-spottet. Nicht nur, daß die Abonnentenzahl der liberalen Zeitschriftentäglich wuchs, kam es sogar zu Störungen der Processionen, welche, wiepöbelhaft sie auch sein mochten, doch die Stimmung einer katholischenBevölkerung über die hierarchischen Gelüste seiner Priester verriethen.Das Leichenbegängniß des ausgezeichneten liberalen Generals Foy (28.November 1825), und Manuels (1827), dienten nicht minder zu Massen-demonstrationen.