Band 
(1815 - 1854)
Entstehung
Seite
75
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1. Kap.) Rücktritt Villsle's; das Ministerium Martignae. 75

Von den gesetzlichen Gewalten trat die Pairskammer zuerst gegendas System Villöle's auf, indem sie das Gesetz über die.Einführung desRechts der Erstgeburt bei allen Erbschaften von mindestens dreihundertFrancs Grundsteuer abwarf, und die mit großem Eifer verfaßte„Denunciation" des Grasen Montlofier, über das widerrechtliche Be-stehen und Wirken der Jesuiten, dem Ministerium zur Berücksichtigungempfahl. Auch in mehreren andern Fällen erklärten sich die Pairs geradezugegen Villöle. Dieser glaubte nun mit Ordonnanzen und Gewaltmaßregelndie Dinge zwingen zu können. Er nahm die Veranlassung dazu von einerRevue, die Karl X. am 28. April 1827 über die Pariser Nationalgardeabgehalten hatte, wobei, statt des üblichen Lebehochs aus den König, derRuf: „Nieder mit den Ministern, nieder mit den Jesuiten" immer lauterund drohender erschollen war. Die Nationalgarde wurde aufgelöst unddie Censur eingeführt. Im November 1827 folgte auch die Auflösungder Deputirtenkammer und der große „Pairsschub" von sechsundfiebzigneu ernannten Pairs, um Villöle die Majorität in dieser Kammer zusichern. Allein die Neuwahlen zur Deputirtenkammer fielen ganz oppo-sitionell aus, wiewohl Villöle die am 24. Juni eingeführte Censur schonam 5. November wieder aufgehoben und die öffentliche Meinung etwasversöhnt hatte. Ein neuer formloser Verein, „der Freunde der Preßfreiheit,"aus weichem nachher die Gesellschaft: „Xille-toi, le viel tUckern" ent-stand und der sogar entschiedene Royalisten, wie Hyde de Neuville undChateaubriand, zu Mitgliedern zählte, schleuderte Flugschriften und Witz-blätter unter das Volk, worin Villöle's „deplorables System" auf's fürch-terlichste gegeißelt wurde. Solchen Stürmen vermochte der zähe Premier-minister nicht länger zu widerstehen. Er dankte ab und der König er-nannte am 4. Januar 1828 das liberale Ministerium Martignac.Man muß gestehen, daß die Noth den König dazu zwang; denn Villölehatte übel gewirthschaftet und die Regierung mußte, trotz einer Ein-nahme von beinahe 1000 Millionen Francs, ein Deficit von 200Millionen zugestehen. Nach einigen scharfen Seitenhieben auf das abge-tretene Ministerium, bewilligten endlich dieKammern die geforderte Summe,in der Hoffnung, daß der Liberalismus alle Zweige der Verwaltungdurchdringen und die Creaturen Villöle's aus ihren Aemtern entfernt werdenwürden. Die Presse erhielt nun Raum zu freierer Bewegung; dieWahlen wurden vor ministeriellen Umtrieben gesichert und endlich achtkirchliche Secundärschulen, welche die Jesuiten in verschiedenen Städten an-gelegt hatten, aufgehoben. Karl X. sträubte sich anfangs sehr, mit einemFederzuge die Werke seiner trcuesten Diener zu vernichten; er zerbiß dieFeder und meinte, „das sei das sauerste, das man ihm bisher zugemuthethabe". Endlich that er es. jedoch nicht ohne inneren Grimm gegen seinMinisterium, Der Fürst Polignac, welcher den Gesandtschaftsposten in