Band 
(1815 - 1854)
Entstehung
Seite
76
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76 Entlassung Martignac's; Fürst Polignae. st. Kap.

London bekleidete und der größte Liebling des Königs war, wurde herbei-beordert, um eig neues Cabinet zu bilden. Wellington ermunterte sogarden König dazu, weil Martignac damit umging, ein Bündniß mit Ruß-land zu schließen. Allein Polignae mußte wieder abreisen, da alle Mit-glieder des Ministeriums erklärten, mit ihm zusammen nicht dienen zumögen. Karl X. stellte nun seinem Ministerium eine andere Falle, umes zum Rücktritt zu zwingen. Martignac hatte zwei im Ganzen vortreff-liche Gesetze über die Gemeinde - und Departementsverfassung ausgear-beitet, welche der König den Kammern des Jahres 1829 vorlegen ließ,mit der Bedingung, daß beide zugleich und unverändert angenommenwürden. Durch eine Intrigue der Ultraoppositiou wurde gegen denWunsch des Ministeriums der Entwurf über die Einrichtung der Depar-tementsräthe , welcher manche «»illiberale Bestimmungen enthielt, zuerstin Berathung gezogen und erfuhr vielerlei Abänderungen. Martignacwidersetzte sich denselben und erklärte: das der Kammer vorliegende Ge-setz sei eine königliche Gnadenbewilligung und die Kammer dürfe dieRechte des Königs nicht schmälern. Darauf entgegnete Sebastian!: „essei künftig keine Berathschlagung mehr möglich, wenn ein Ministerium,um Recht zu behalten, sich hinter die Person des Königs zurückziehendürfe". Nun eilten die Minister in die Tuilerieu, wo sie Karl mitschadenfrohem Lächeln und den Worten empfing: „Nun, wie steht es,meine Herren? Habe ich Ihnen nicht gesagt, daß man mit diesenLeuten nichts ausrichten kann? Es ist Zeit, dem Dinge ein Ende zumachen." Die Gesetzentwürfe wurden noch an demselben Tage zurück-gezogen. Martignac »ber durste fürder auf keinen Beistand von den Libe-ralen rechnen. Einzelne Mitglieder des Ministeriums traten aus; dieFractionen der rechten Seite näherten sich einander, um dem gefährlichenAndringen der Linken zu begegnen, welche, durch ihre Siege verführt, blind-lings und ohne die drohenden Gefahren zu bemerken, vorwärts drängte.Der König, im Vertrauen auf die Einigkeit der royalistischen Partei, ent-ließ endlich Martignac, der alle Parteien gegen sich hatte, und ernanntedafür den Fürsten Polignac zum Premierminister (8. Aug. 1829).

Fürst Julius von Polignac gehörte zur Ultrapartei. Sein Namewar durch das ganze Land verhaßt, seitdem er sich geweigert hatte, dieCharte zu beschwören. Obwohl nur mit oberflächlichen Kenntnissen undmittelmäßigen Talenten ausgestattet, fehlte es ihm nicht an jener Eitel-keit und Selbstgefälligkeit, welche die eigene Hohlheit hinter einem seligenLächeln zu verbergen sucht. Labourdonuaye, sonst der „Ajax der äu-ßersten Rechten", zeigte sich als Minister geschäftsunkundig und schwan-kend. Er trat daher bald aus und überließ seine StelleM o n tb el, einemaufrichtigen Vertheidiger der Jesuiten. Bourmont, der Kriegsminister,ein tüchtiger General und entschlossener Charakter, war mit dem Fluche