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Thronbesteigung Louis Philipp's.
s2. Kap.
ihre Stimme abzugeben. Daraus erließen die Deputirten eine Erklärung:Der Thron Frankreichs sei durch die Abreise und Entsagung Karl's X.erledigt; darum müßten die Abgeordneten sür die Wiederbesetzung, eineunter den gegenwätigen Umständen unabweisbare Nothwendigkeit, Sorgetragen." Darauf folgten die Verbesserungen, welche man mit der Chartevorgenommen hatte, und die geeignet schienen, das Volk wenigstens vonGewaltthätigkeiten abzuhalten.
Louis Philipp zeigte in jenen Tagen eine ungewöhnliche Leutselig-keit gegen Jedermann; sein Haus stand Allen offen, nur nicht den Abge-sandten der Bourbons. Besonders zeichnete er Lasayette aus, und wußtesogar den sür Schmeicheleien sonst unempfänglichen Dupont de l'Eure zubestechen, indem er Worte des Unmuths über die Doctrinäre fallen ließ.Noch am 7. August begaben sich die Abgeordneten in feierlichem Zuge nachdem Palais Royal, um Louis Philipp seine Erwählung zum König an-zuzeigen. Der Herzog erwiderte auf Laffitte's Anrede: „daß er sich ausLiebe zum Vaterlande dem Volkswillen füge und die revidirte Charte an-nehme." Allgemeine Rührung herrschte im Saale; auch Lasayette wurdehingerissen und klopfte dem Herzog auf die Schulter mit den Worten:„Wir haben ein gutes Werk gethan; seht hier die beste der Republiken."Daraus trat Louis Philipp mit Laffitte und Lasayette auf den Balcon,wo sie vom Volke mit stürmischem Jubelruf empfangen wurden.
Die Pairskammer, gegen welche sich damals vorzüglich der Unwilledes Volkes kehrte, hatte am Abend des 7. August die einfache Anzeigedessen, was die Deputirten beschlossen hatten, empfangen. Sie glaubtenun, nicht zurückbleiben zu dürfen, und stimmte, trotz Chateau-briand's glänzender Rede zu Gunsten des Herzogs von Bordeaux, denBeschlüssen der Deputirtenkammer mit neunundachtzig gegen dreizehnStimmen bei, verwahrte sich jedoch im Gefühl ihrer Würde gegen die ver-langte Ausschließung der sechsundsiebzig jüngst ernannten Pairs, deren-wegen sie an die Weisheit des Generallieutenants appellirte. Daraufbegab sie sich ebenfalls zum Statthalter, um ihm die Krone anzutragen.
Am 9. August erfolgte die Eidesleistung des neuerwählten Königs.Casimir Perier, in einen einfachen Oberrock gekleidet, verlas die von derDeputirtenkammer erlassene Erklärung; Pasquier überreichte die Bei-trittsurkunde der Pairskammer. Daraus las der Herzog die von Dupontde l'Eure dargebotene Eidesformel mit lauter Stimme ab, unterzeich-nete die Charte und bestieg als Louis Philipp I., König der Franzosen,unter dem Donner der Geschütze und den lebhaftesten: „Vive lo roi!"den mit einer einfachen Tricolore verzierten Thron. Darauf sprach ermit fester Stimme: „Meine Herren Pairs und Deputirten! Ich habe indiesem Augenblick einen Schritt gethan, dessen Bedeutung Niemand sotief, als ich empfinden kann. Ich fühle den ganzen Umfang der Pflichten,