2. Kap.s
Ministerwahlen.
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welche ich damit übernehme, und bin mir bewußt, daß ich sie erfüllenwerde. Mit voller Ueberzeugung habe ich den mir vorgelegten Bundes-vertrag angenommen. Ich hätte lebhaft gewünscht, niemals den Thron,aus welchen der Volkswille mich soeben berufen hat, einzunehmen. AlleinFrankreich, in seinen Freiheiten angegriffen, sah die öffentliche Ordnunggefährdet; die Verletzung der Charte hatte Alles verwirrt; man mußtedie Herrschaft der Gesetze wiederherstellen und die Kammern hatten diePflicht, dafür zu sorgen. Sie haben es gethan, meine Herren! Die weisenVeränderungen, welche wir soeben an der Charte gemacht, bürgen für dieSicherheit der Zukunft und Frankreich wird, wie ich hoffe, fortan glück-lich im Innern, geachtet nach Außen sein, wie auch der Friede Europassich immer mehr befestigen wird."
Am 11. August ernannte Louis Philipp sein Ministerium: Molsfür das Aeußere, DuPont de l'Eure für die Justiz, Baron Louisfür die Finanzen, Marschall Gsrardfür den Krieg; Sebastiani erhieltdas Seewesen, Guizotdas Innere und der Herzog vonBroglieden Cul-tus und Unterricht. Laffitte, Casimir Perter, Dupiu der Ael-tere und Bignon wurden Mitglieder des Ministeriums ohne Portefeuilles.Tal lehr and empfing den wichtigen Gesandtschaftsposten in London.
Louis Philipp hatte eine schwierige Stellung sowohl gegen die Par-teien im Innern, als gegen die ausländischen Cabinete. Wiewohl diesefast allgemein den Sturm hatten heranziehen sehen, so hatte sich doch Nie-mand den Ausgang so ernst, so verderblich für das legitime Königthumvorgestellt. Woran man fünfzehn Jahre mit so viel Kraft, Geschick undEinmüthigkeit gearbeitet hatte: das letzte revolutionäre Fünkchen zu er-sticken, stellte sich plötzlich als eine Sisyphusarbeit dar. Zu der Furchtvor einem Aufstand der Unzufriedenen in Deutschland, Italien undPolen gesellte sich die Angst, daß der revolutionäre Strom die französi-schen Grenzen überfluthen und die Niederlage von Waterloo zu rächenkommen würde. Metternich überschaute mit gewohntem Scharfsinn dieseVerhältnisse. Er sah die Sache der Bourbouen als verloren an, undhielt es für gerathen, seinem System: „zu Gunsten der Legitimität zuinterveniren," lieber zu entsagen, als durch Einmischung in die in-neren Parteihändel Frankreichs die revolutionäre Kraft zu erhöhen, welcheLouis Philipp nach und nach schon selbst zu mäßigen wissen werde. Auchhegte Kaiser Franz in seiner bürgerlichen Moral einen Widerwillen gegendie unzuverlässigen Bourbonm. Er soll gesagt haben: „Das kommt vomNichtworthalten; was man einmal gegeben hat, darf man nicht wiedernehmen; was man versprochen hat, muß man halten."
Der Meinung des Wiener Cabinets schloß sich auch das Berlineran. Die Abgesandten Louis Philipp's wurden von beiden Höfen artigempfangen, und Glückwunschschreiben an den König der Franzosen abge-