Band 
(1815 - 1854)
Entstehung
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123
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2. Kap.) Sieg bei Wilkin Dembe und Jganie. 123

greifen, wenn Skrzynecki nach Napoleonischen Strategemen gehandelt undsich mit Uebermacht auf jedes einzelne Corps gestürzt hätte. Diesen Vor-schlag machte auch Prondzynski und Skrzynecki ging endlich in diesen Ge-danken ein. Nachts vom 30. zum 31. März rollten die Kanonen überdie mit Strohmatten belegte Pragaer Brücke; Reiterei und Infanteriefolgten in größter Stille nach. Die Russen ahnten nicht das Geringste.Plötzlich standen die Polen vor ihnen, zersprengten Geismar's kleines Corps,dessen klägliche Trümmer jedoch Rosen von dem heranziehenden Sturmunterrichten konnten. Dieser nahm bei Wilkin Dembe eine Defenfiv-stellung und wurde von dem langsamen Skrzynecki erst den 31. Nachmit-tags erreicht. Die Polen erfochten hier einen glänzenden Sieg: 2000Gefangene, zehn Pulverwagen, und-nenn Kanonen waren die Trophäendieses Tages. Allein die Nacht begünstigte die Flucht der Russen bis nachSiedlce; erst am folgenden Tage begannen die Polen die Verfolgung undmachten noch 5000 Gefangene. Statt nun mit seinen begeisterten Schaa-ren den Sieg zu vervollständigen und Siedlce einzunehmen, dann rasch dasnächste Corps Schachoffski's zu überstürzen, blieb Skrzynecki vorsichtigund beobachtend am Liwice stehen. Diebitsch gab auf diese unglücklichenNachrichten den Weichselübergang auf, und mußte denselben gefährlichenMarsch mit entmutigten Truppen im Angefichte eines siegreichen Feindeszurück machen und sich in der Flanke blosstellen. Dennoch ließ Skrzy-necki den Marsch der russischen Hauvtarmee ruhig zu. Endlich wurde erdurch vieles Bitten dahin gebracht, doch wenigstens Rosen zu vernichtenund Siedlce zu erobern. Prondzynski erbot sich, mit etwa 9000 Manndieses Wagestück zu unternehmen. Der Erfolg war ein so ehrenvoller,daß die Polen nicht nur über das durch mehrere Abtheilungen vom Pah-len'schen Corps verstärkte Rosen'sche Corps bei Jganie einen herrlichenSieg erfochten (10. April), sondern auch 2000 Gefangene machten unddrei Kanonen erbeuteten. Rosen warf sich nach Siedlce, das Prondzynskinicht stürmen konnte, da er zu schwach war und Skrzynecki keine Verstär-kung absandte. So ging der günstige Augenblick verloren, denn am 11.April kam Diebitsch nach Siedlce; die Vereinigung der russischen Streit-kräfte war vollzogen. Beide Feldherren ruhten aus. Dieser Rückzug derRussen machte Dwer nicki Luft. Er verließ am 12. April Zamosc mit6000 Mann — mehr hatte Skrzynecki nicht bewilligt, obwohl er bequem10,000 Mann entbehren konnte — und zog der volhynischen Grenze zu, umdie bisher vereitelten Ausstände in der dortigen Gegend zu unterstützen. AlleinDwernickikam vier Monatezu spät. Die Verschwörungen waren durch Rü-diger, der mit 15,000 Mann hier befehligte, unterdrückt worden und täg-lich kamen neue russische Truppen an. Dwernicki schlug zwar am 19. April beiWoromelden russischen Anführer, mußte sich aber, von der Uebermacht ge-drängt und von den Podoliern verlassen, nach der österreichischen Grenze