Band 
(1815 - 1854)
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Reorganisation der polnischen Armee.

s2. Kap.

die Schuld. Auf diese diplomatischen Verhandlungen baute Skrzynecki,und zauderte so lange, bis die Russen die besten Stellungen eingenommenhatten. Skrzynecki übersah, daß die Revolution, indem sie den Boden desRechts und Gesetzes verläßt, nicht über Treubruch und Hinterlist klagendarf, und daß sie jedesmal da verloren ijk, wo alte heilige Verträge undder Staatsvortheil sich labyrinthisch verschlingen, einander kreuzen unddoch wieder zusammengehen. Durch die cunctatorische Kriegführung wurdeder Muth des polnischen Heeres geschwächt und das Land, von Freund undFeind ausgesogen, in grenzenloses Elend gestürzt. Bei dem Mangel an Tha-ten, die allen Parteien zur Ehre gereichen, versetzte sich die innere revvlutio-naire Aufregung, warf sich auf die inneren Organe des Staatslebens undzerstörte sie. Scheußliches Wüthen der Parteien, grauenhafte Verdäch-tigungen, politische Mordthaten, Zerrüttung der öffentlichen Ordnung, dergesellschaftlichen und Familienbande find die natürlichen Folgen der Revo-lution. Da Skrzynecki die polnische Sache für verloren erachtete, that erüberhaupt nichts, um Siege zu erringen, noch weniger einen Hauptschlagauszuführen, wie er mehrmals Gelegenheit gehabt hätte. Seine General-stabsofficiere. Prondzinski und Chrzanowski, mußten ihn erst zuAllem drängen, ja der Reichstag es ihm sogar gebieten, doch wenig-stens manchmal eine Schlacht zu liefern. Nur um die ReorganisationdeS Heeres erwarb sich Skrzynecki große Verdienste. Mitte März standen52,000 Mann bereit, ins Feld zu rücken, und andere 35,000 Mann, um denkleinen Krieg zu führen, Besatzungen zu bilden, und überall Volksaufständezu veranlassen. Die vier Infanteriedivisionen wurden von Rybinski,Gielgud, Mühlberg und Malachowski geführt; Krukowiecki erhielt dieKommandantur von Warschau.

Die Nachrichten, welche Diebitsch von den Flügeln erhielt, bestimm-ten ihn, womöglich oberhalb Warschau bei Stezyca über die Weichsel zusetzen und dem Feinde in die Flanke zu fallen. Uminski hatte nämlichauf dem rechten Ufer des Bug den Marsch der Garden aufzuhalten ge-sucht, indem er das Volk zum Aufstande anfeuerte. Dwernicki griffam 26. Februar das Corps des General Kreutz, welches über die Weich-sel gesetzt war, an, und warf es über den Strom zurück. Indem Dwer-nicki die Russen verfolgte, erhoben sich die Bauern um Lublin und schlu-gen die Feinde todt, wo sie sie fanden. Das ganze Kreutz'sche Corps warzersprengt und Dwernicki schickte sich an, die volhynische Grenze zu über-schreiten, als Diebitsch ihm 15,000 Mann unter Toll und Witt nach-sandte, welche ihn zwangen, sich in Zamosc einzuschließen. Inzwischenhatte die Flankenbewegung der russischen Hauptarmee gegen die Ober-weichsei begonnen und General Rosen sollte diese Bewegung verdecken,indem er mit seinem Corps sich von Wawre bis Kaluszyn ausdehnte.Die russische Armee, in kleine Abtheilungen zersplittert, war leicht anzu-