2. Kap.j
Polen, russische Provinz.
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Februar 1832 erschien ein „organisches Statut", welches die Selbststän-digkeit Polens aufhob und dem Lande eine neue Einrichtung verlieh.Polen verlor seine Cocarde, sein Nationalheer, seinen Reichstag undwurde russische Provinz mit abgesonderter Verwaltung und Rechtspflege.Die beiden obersten Classen der Gymnasien und die Universitäten War-schau und Wilna hörten auf, der Unterricht in französischer Sprache wurdeverboten. In allen Schulen mußte der Unterricht russisch ertheilt undrussische Geschichte gelehrt werden. Russische Beamte überschwemmtendas Land, griechische Popen vollzogen ihr Bekehrungsgeschäft an denkatholischen Polen. Die katholische Kirche, deren Priester sich lebhaft amAusstande betheiligt hatten, erfuhr zahlreiche Beschränkungen und befürch-tete schon, in Polen ausgerottet zu werden. An die Stelle der ReichS-stände traten Provinzialstände mit berathender Stimme. Eine neue Cita-delle in Warschau hielt jeden Widerstand nieder. Als der Kaiser ausdem Lustlager von Kalisch, welches Preußen und Russen gemeinsam bezo-gen hatten, nach Warschau kam (10. October 1835), sprach er zu einerDeputation des Stadtraths: „Sie haben zwischen zwei Dingen zu wählen.Entweder beharren Sie bei Ihren Täuschungen über ein unabhängigesPolen, oder Sie leben ruhig und als treue Unterthanen unter meinerRegierung. Im ersteren Falle bereiten Sie sich großes Unglück. Beimersten Aufstand lasse ich die Stadt Warschau in Grund schießen undwahrlich, nicht ich werde sie wieder aufbauen lassen. Bei Ihnen steht es,das Vergangene in Vergessenheit zu bringen. Wenn Sie Ihre Kinderwohl erziehen und ihnen die Grundsätze der Religion und der Treuegegen ihren Souverain einprägen, wenn Sie ferner meine Polizei emsigunterstützen, um die Verbreitung schlechter Druckschriften zu hindern unddie ausländischen Emiffaire zu ergreifen, dann bleiben Sie auf der gutenBahn. Mitten unter allen den Unruhen, die Europa bewegen, ist Ruß-land allein stark und unversehrt geblieben. Glauben Sie, meine Herren,es ist ein wahres Glück, diesem Lande anzugehören und sich seines Schutzeszu erfreuen. Wenn Sie sich gut aufführen, wenn Sie alle Ihre Pflichtenerfüllen, wird sich meine väterliche Fürsorge auch über Sie alle erstreckenund trotzdem, was vorgefallen, wird meine Regierung stets auf Ihr Wohlbedacht sein. Vergessen Sie nicht, was ich Ihnen hier gesagt habe."
Der Traum der Polen von der Unabhängigkeit ihres Vaterlandesist vernichtet; nur die Emigration in Paris und London wiegt sich nochin schönen Zukunftsträumen und kämpft auf allen Schlachtfeldern gegenRußland, Oesterreich und Preußen, die Theilung ihres Vaterlandes zurächen. Die Bürger und Bauern Posens und Galiziens wissen dagegendie väterliche Weisheit ihrer betreffenden Regierungen zu würdigen undwiderstehen den Verführungskünsten der Emigration so lange, als der inPolen hochverehrte Klerus jede Gemeinschaft mit ihr widerräth,