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Das literarische Leben Deutschlands.
12. Die Bewegungen in Deutschland.
Die Stimmung im Allgemeinen. Das unumschränkt-monarchische und das landständische Deutschland.
Die Julirevolution traf Deutschland in einem äußerlich ruhigen Zu-stande. Nichts desto weniger gährte es in den Geistern. Die träge Mußedes Friedens hatte Vielen die Lust an der belletristischen Literatur liebgemacht. Die Lectüre neuer Romane und Gedichte, die Berichte überTheater und Concerte, die Triumphzüge der Catalani, Sonntag undTaglioni, die Kritiken erschienener Werke, die Streitigkeiten über die Vor-züge Schiller's und Göthe's bildeten die einzigen Unterhaltungsstoffe desdamaligen Deutschlands. Aber gerade in dieser harmlosen Beschäftigungdämmerte ein neues Leben, keimte eine Saat, welche die ruhige Oberflächeder Gesellschaft zu durchbrechen bereit war. Die gefühlsselige Romantikmit ihrer Begeisterung für das Mittelalter, die genialen Theezirkel geist-reicher Frauen, in welchen der Cultus der Jchheit nach den wechselndenStimmungen des Augenblicks bis zur Ueberspanntheit gepflegt wurde,das gelehrte Zopfthum der Universitäten, die ans Burleske streifendeDeutschthümelei der Studenten, reizten einen geistreichen Jüngling zuAngriffen, die, sprudelnd von Witz und Laune, alle jene Erscheinungen derLächerlichkeit Preis gaben. Heinrich Heine, diese merkwürdige Verbin-dung eines ächt lyrischen Gemüths mit dem treffendsten Witze, des ver-edelnden Humors und der strafenden Satire mit der Frivolität und dergrobsinnlichen Derbheit, schnitt in seinen Reisebildern der Romantik sotief ins Fleisch und verletzte so manche mit jener verwachsene liebe Erin-nerung aus den Befreiungskriegen, daß ein Schrei der Entrüstung durchdie belletristischen Tagesblätter ging. Nur ein geringer Theil der Jour-nale erkannte in den Reisebildern den Ausdruck einer in Deutschland ob-waltenden Stimmung, die nicht ohne Beirath der romantischen Partei ge-waltsam niedergehalten worden war. Die unterdrückte liberale Parteierwachte in der Literatur wieder; Ludwig Borne schrieb seine vonfitt-lich-patriotischem Feuer durchglühten, höchst geistreichen Kritiken in den„Zeitschwingen" und der „Wage", mit besonderem Bezug auf die Gegen-wart; Graf Platen klagte in seinen durch classische Formschönheit ausge-zeichneten Liedern die Großen der Erde an, den Jammer und die Erbärm-lichkeit des Vaterlandes verschuldet zu haben, und Heinrich Heine tratbald mit Murhard an die Spitze der bei Cotta erscheinenden politischenAnnalen. Der Liberalismus hatte unvermerkt einen neutralen unver-dächtigen Kampfplatz gewonnen, von wo er bei günstigeren Zeitläufeneinen Ausfall in andere Gebiete machen konnte. Für jetzt erreichte erwenigstens, daß den Deutschen das Vergnügen an Clauren'schen Roma-nen verleidet und das Genre sentimentaler, halb wollüstiger, halb fröm-