Band 
(1815 - 1854)
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189
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Neapel unter Ferdinand H.

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fertigkeit brachte. An die Stelle der alten Minister von der extremstenReaction, Raggi und Folquet, traten gemäßigte Liberale. Die Über-wachung und Leitung des Volksgeistes in Presse und Unterricht wurdefortgesetzt und zeitweise strenger gehandhabt, als unter Karl Felix. Nachdem Savoyerzuge Nomarino's (1. bis 3. Februar 1834) trat das ultra-reactionäre Ministerium Raggi wieder ein. Sardinien blieb bis zumJahre 1847 iu dieser Bahn und spielte den Hauptbesckützer der strengenLegitimität und des Jesuitismus. Wie Modcna Dom Miguel begünstigte,so trat Sardinien für Don Carlos in die Schranken und sandte ihm vonGenua aus Hilfstruppen und Kriegsmaterial.

Die Thronbesteigung König Ferdinand's H. von Neapel(8. November 1830) berechtigte Anfangs zu vielen schönen Hoffnungen.Er ließ die meisten politischen Gefangenen frei, schlug alle politischenund Preßproceffe nieder, verminderte die Mahlsteuer, gestattete die freieGetreideausfuhr, hob die Jagdvorrechte auf, sorgte für Milderung desNothstandes und eine geregelte Armenpflege und enthüllte mit edler Offen-heit den traurigen Zustand der Verwaltung und der Finanzen, unterdem Versprechen, Ersparnisse in der Civilliste und dem Heerwesen eintre-ten zu lassen. Die Armee erfreute sich seiner besonderen Aufmerksamkeitund kam bald in einen besseren Zustand. Im Sommer 1831 bereisteder König seine Provinzen, um sich selbst von der Vollziehung seinerBefehle zu überzeugen. Er wurde überall mit stürmischem Jubel begrüßtund fühlte sich durch die Liebe seines Volkes höchst beglückt. Dennochschlummerte der böse Feind des Verraths nicht und säete Mistrauen indas offene Herz des Königs. In Palermo brach am 31. August 1831ein Aufruhr aus, der indeß mehr in der Noth des Volks, als in politi-schem Misvergnügen seinen Grund hatte. Dagegen versuchte der MönchAngelo Peluso das Volk in Neapel zu revolutioniren (September 1832)und im Jahre 1833 wurde eiue Verschwörung gegen das Lebe» des Kö-nigs entdeckt, an deren Spitze der Sohn des ehemaligen Generals Rossa-rol stand. Des Königs milder Sinn begnadigte die Schuldigsten nochauf dem Schaffst. Ueberhaupt ließ sich Ferdinand U. in seinem Eiferfür das Beste des Volkes nicht beirren. Im October 1833 wurde eineNationalgarde im ganzen Reiche errichtet und an die Spitze derselbender Prinz Leopold von Salerno gestellt, ein Mann von streng conserva-tiven und legitimen Grundsätzen, der bald einigen Einfluß auf seinenköniglichen Neffen gewann. Dies zeigte sich darin, daß Don Carlos inSpanien, Dom Miguel in Portugal als legitime Könige anerkannt undden miguelistischen und ballistischen Flüchtlingen in Neapel freundlicheAufnahme gewährt wurde. Die vielfachen Uebertreibungen des Königsim Militairwesen, wie der entsetzliche Verfall des fruchtbaren Sicilienmachten manche Mehrausgaben nothwendig, weshalb die versprochenen