Band 
(1815 - 1854)
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Maßnahmen Gregor's XVI.

s2. Kap.

gegen die päpstlichen Unterthanen an, welche unter die unbedingte Herr-schaft des heiligen Vaters zurückkehren mußten. Oesterreich und Frank-reich, durch einige Reformen im Kirchenstaat befriedigt, unterdrückten dieletzten Spuren der Aufregung. Die Franzosen räumten am 3. December1838 Aucona. England war hierüber so entrüstet, daß es seinen Gesandten,Lord Seymour, von Rom abrief (September 1832). Gregor XVI. hattenun ganz freie Hand; an durchgreifende Reformen war nicht zu denkenund selbst die Greuel, welche das Volk während der Cholera in Rom1837 beging, konnten den Papst nicht bestimmen, den Grund des Uebelstiefer zu suchen. Conservativ bis zur Unklugheit, schwebten seiner Hand-lungsweise nur die Bilder seiner erhabensten Vorgänger, Gregor's VII.und Jnnocenz's HI. vor. Daher machte er die strengste Orthodoxie,selbst gegen ergebene Katholiken, wie Lamennais und die Hermestanergeltend und verfocht das alte Recht der Kirche gegen die weltlichen Mächtemit Beharrlichkeit und Strenge. Vielleicht stärkte dieses Verfahren, dasfast alle italienischen Staaten nachahmten, die neue republikanische Ver-bindung des „jungen Italiens", weiche sich im Jahre 1831 unterMazzini's Leitung aufgethan hatte und trotz aller Verfolgungen an Ein-fluß und Ausdehnung zunahm.

Oesterreich war im lombardisch-venetianischen König-reiche unermüdlich thätig, das herabgekommene Land zu heben, ohnesich den Dank aller Unterthanen erwerben zu können. Die Begnadigungder politischen Gefangenen bei Gelegenheit der Thronbesteigung des Kai-sers Ferdinands I. (25. August 1836) und seiner Krönung in Mailand(September 1838) trug aber wesentlich zur Erhaltung der Ruhe bei.

Dem Beispiel Oesterreichs folgten Toscana, Lucca und Parma, wonur unbedeutende Störungen der öffentlichen Ordnung stattfanden. Amglücklichsten überstand Toscana alle Stürme, die rings herum wütheten.Der einsichtsvolle und liberale Großherzog Leopold II. konnte sogar seinenaufgeklärten Unterthanen die Waffen in die Hand geben und den Flücht-lingen ein Asyl eröffnen, ohne daß er dieses Vertrauen zu bereuen hatte.In Parma schien zwar im Jahre 1831 eine etwas strenge Reactioneintreten zu wollen; sie ging aber bald vorüber, als der Herzog vonLucca allgemeine Amnestie ertheilte, und Toscana und Oesterreich durchihr Beispiel zeigten, daß sie bei der Milde gegen Staatsverbrecher besserführen, als bei jener übertriebenen Strenge, die der Herzog von Mode naconsequent gegen Alles durchführte, was nicht dem Legitimitätssystem ent-sprach. In der Verfolgung politischer Verbrecher war die sardinischeRegierung nicht minder heftig. Dies änderte sich auch mit der Thronbe-steigung des Prinzen von Carignan, Karl Albert, nicht, wogegen derselbein der Gesetzgebung und dem Finanzwesen einige Reformen vornahm unddas Heer auf eine Achtung gebietende Stufe der Disciplin und Kriegs-