Band 
(1815 - 1854)
Entstehung
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215
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2. Kap.)

Das „doctrinaire Ministerium" Soult.

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hartnäckig auf bedeutungslosen Formeln; z. B. stritt sie bestig gegen dieAusdrücke „König von Frankreich" und „Untertbanen des Königs", dieein Minister gebraucht hatte—theils hielt sie an Anträgen fest, gegen diesich die Regierung oder die Pairskammer erklärt hatten, — z. B. aufAbschaffung der religiösen Feier des Todestages Ludwigs XVI., auseine neue Einweihung des Pantbeons, die definitive Feststellung desGesetzes gegen die Bourbons undNavoleoniden. — Da ibr parlamenta-rischer Kampf nutzlos war, appellirte sie in einem, von Odilon Barrot,Mauguin, Lafayette, Lafsttte, Cormenin und Comte verfaßten „6owptsrenüu", das am 28. Mai von einundvierzig und bis zum August vonhundertundvierzig Deputirten unterzeichnet wurde, an ihre Wähler. Die-ser Rechenschaftsbericht war eine Herausforderung der Regierung, einAppell an die Leidenschaften der Waffe, denn er enthielt die Worte: „Wenndieses Svstem fortdauert, so find die Julirevolutivn und Frankreich ihrenFeinden überliefert." Diese Worte trugen am 5. Juni ihre Früchte, amBegrLbnißtage des edlen, beredten, freisinnigen Generals Lamarque.Mit dem Rufe: „Nach dem Pantheon!" mischte sich das Geschrei: „KeineBourbonS mehr! Es lebe die Republik!" Die Dragoner, welche Ruhestiften wollten, wurden zurückgetrieben; es entstand ein wüthender Kampf,der bis zum Abend des 6. dauerte, wo die Truppen das Kloster St. Mery,die letzte und festeste Position der Republikaner, erstürmten. Der König warselbst von St. Cloud herbeigeeilt und hatte den Angriff geleitet. Seinpersönlicher Muth und seine zweckmäßigen Maßregeln verfehlten nichtihren Eindruck auf die Pariser. Der König war der Abgott des Tages.Aber er verwischte den günstigen Eindruck dadurch wieder, daß er denForderungen der Minister und vieler Bürger nachgab, und nach gewon-nenem Siege, in Unübereinstimmung mit der Cbarte, Patts inBelagerungszustand erklärte und Kriegsgerichte einsetzen ließ. Die Pa-riser Advocaten bekämpften aber diese Verordnung als verfassungswidrigund der Cassationshof, an welchen sich die von den Kriegsgerichten Ver-urtheilten wandten, entschied sich in Folge einer trefflichen Rede OdilonBarrot's dahin, daß die Kriegsgerichte nicht dem Gesetz gemäß eingerich-tet, die Vecurtbeilten demnach vor die gewöhnlichen Gerichte zu stellenwären. Sofort hob eine zweite königliche Ordonnanz den Belagerungs-zustand von Paris auf und öffnete von selbst die vorher geschlossene po-lytechnische Schule wieder.

Um der Kammer mit einem einigen und in bestimmter Tendenz zu-sammengesetzten Ministerium entgegenzutreten, ernannte der König das„doctrinaire Ministerium" Soult (11. October). unter dem Broglie,Guizot und Thiers fungirten. Adolph Tbiers, ein geistreicherJournalist und liberaler Geschichtschreiber sollte das Bindeglied zwischender doctrinairen, dem Einschüchterungssystem zugeneigten Partei, und dem