Band 
(1815 - 1854)
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Das Ministerium Thiers.

12. Kap.

üors-xurii (linkes Centrum) bilden. Er entwickelte als Polizeiministereine ungemeine Thätigkeit und entdeckte durch seine Spione den Aufent-halt der Herzogin von Berry in Nantes (8. November 1832). DieHerzogin wurde aus die Citadelle nach Blaye gebracht und bekannte sichnach einiger Zeit schwanger. Der romantische Nimbus, in welchen bis-her die Herzogin gehüllt war, verschwand plötzlich; die legitimistischePartei hatte eine moralische Niederlage erlitten, nach welcher Louis Phi-lipp nichts mehr von den Karlisten zu fürchten hatte. Von der Napo-leonidenfurcht war der König einige Monate vorher befreit worden, indemam 22. Juli 1832 der hoffnungsvolle Herzog von Reichsstadt in Wienstarb. Die Herzogin von Berry gebar am 10. Mai 1833 eine Tochterund wurde dann über die Grenze geschafft, da Louis Philipp sie als einepolitische Person nicht vor die gewöhnlichen Gerichte stellen mochte.

Diese Ereignisse belebten den Enthusiasmus der orleanistischenPartei und ein angebliches Attentat auf den König mehrte denselben.Am 19. November 1832 wurden die Kammern eröffnet, wohin sich derKönig in feierlichem Aufzuge begab. Plötzlich fiel aus dem Haufen einPistolenschuß und später wollte die Polizei vier Dutzend Kugeln auf demPlatze zerstreut gefunden haben. Und dennoch war Niemand getroffenworden. Dieses Attentat, welches man den Republikanern Schuld gab,machte Letztere so verhaßt, daß alle Herzen sich wieder dem Könige zu-wandten, und in ihm den Stützpunkt für die wankende Ordnung suchten.Die Regierung blieb in den Kammern siegreich, da der ganze tisrs-xoriifür sie stimmte, die liberale Partei Odilen Barrot's aber sich von denRepublikanern lossagte und somit deren Opposition schwächte. Dennochstieß der Plan einer Befestigung von Paris in allen Schichten der Be-völkerung auf so hartnäckigen Widerstand, daß Louis Philipp ihn fallenließ, obwohl die Kammern schon die Mittel dazu bewilligt hatten. DerKönig zürnte daher heftig auf die Presse, die jenen Plan mit schneiden-der Schärfe und Rücksichtslosigkeit bekämpft hatte. Einstweilen wurdenin Lyon Befestigungen aufgeführt. Das Municipal- und Departemental-gesetz vom 9. Januar 1833 verbürgte den Gemeinden einige Freiheiten,welche die strenge Centralisation des französischen Staatsmechanismusein wenig lockerte. Das Gesetz über den Primärunterricht (2. Mai)verpflichtete die Gemeinden zur Einrichtung von Elementarschulen undübertrug, mit Ausschließung der Geistlichkeit, die Aussicht über jene demMaire und den Abgeordneten des Municipalrathes. Eine wahrhafte Er-leichterung des Volks, sei es im Budget, sei es in der Bewegung desLebens, wurde von der Regierung keineswegs angebahnt. Diese suchtehöchstens durch eine unschuldige, aber populäre Maßregel die Gemütherzu beruhigen, z. B. durch die Wiederausrichtung der Statue Napoleonsauf der Vendömesäule. Wegen des Krieges in Algier gab sich ein Zwie-