2. Kap.)
Die Verträge mit Rußland.
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Occidents nach der pontischen Küste in der Wurzel angegriffen. Rußlandkonnte sich rechtlich in die inneren Angelegenheiten der Türkei einmischenund die Hilfe, welche es leistete, hing von seinem Ermessen ab, da „beidecontrahirende Theile über alle Fälle und Vorkommnisse, welche die Ruheund Sicherheit der Türkei oder Rußlands angehen", berathen werden.Die westlichen Seemächte protestirten zwar gegen jenen Vertrag; aber diePforte erklärte, daß das Niemand etwas angehe. England schwieg undhandelte im Stillen. Es suchte zuerst die Türkei von der russischen Vormund-schaft zu befreien, um dann der Rache des Sultans gegen den ägyptischenPascha freien Lauf zu lassen und sich selbst an der Züchtigung des gefähr-lichen Vicekönigs zu betheiligen. Denn auch England war aus MehemedAli nicht gut zu sprechen, da dieser, als ein energischer, schlauer und ge-waltkhätiger Charakter, die beiden Landhandelswege nach Ostindien, überSuez und den Euphrat, sperrte, die Engländer zu verdrängen und denHandel an sich zu reißen suchte.
Lord Palmerston, der in diesem Zeitraum mit geringen Unterbre-chungen die auswärtigen Verhältnisse Englands leitete, hatte lange Zeitden Arbeiten der russischen Diplomatie zugesehen, ohne ihre Schleichwegeund geheimen Endzwecke sorgfältig zu ergründen. Erst der Einfluß , denein Autodidakt von dunkler Herkunft aus König Wilhelm IV. gewann,zwang den edlen Lord, sich die Bezüge klar zu machen, in welchen Ruß-lands diplomatische Wege zu der englischen Handelspolitik ständen. Die-ser Autodidakt war David Urquharj, dessen Name fortan mit derorientalischen Frage verknüpft sein wird. Der Knabe wuchs fast ohneSchulunterricht auf; seine Mutter nahm ihn zeitig aus Reisen mit undsein väterlicher Freund, Jeremias Bentham, lehrte ihn später die orienta-lischen Sprachen. Außerdem beschäftigte sich Urquhart mit Nationalöko-nomie und Mineralogie. In Griechenland diente er unter Lord Cochraneund stieß hier, bei Kapodistrias, auf die ersten Spuren russischen Ein-flusses, die ihn so unangenehm berührten, daß er von dieser Zeit ab blosEinen Plan verfolgte: das Gewebe der russischen Politik bloszulegen.Daß er dabei oft ins Barrokke fällt, ist ein Mangel, den er mit jedemeinseitigen Streben theilt; daß sein Jnstinct, russische geheime Intriguenüberall zu wittern, ihn oft zu lächerlichen Aeußerungen treibt, daran istsein specifisch. englischer Patriotismus Schuld. Er erklärte selbst, wederW hig, noch Tory, noch Radicaler zu sein, sondern blos Russenfeindsan8 xlirass. Nachdem Urquhart die Donau, Kleinasien, den Kaukasusund die Türkei bereist hatte, und überall auf einzelne dünne Fäden der seinenPetersburger Diplomatie gestoßen war, machte er die Bekanntschaft des Sul-tans und gewann dessen ganzes Vertrauen (1833). In Konstantiuopelveröffentlichte er seine ersten Schriften über den Orient: „Die Türkei undihre Hilfsquellen", 1833. „England und Rußland", 1834, und „Sultan