Stellung Rußlands zu England.
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gegrollt hatte, schickte nun wieder einen Gesandten, Lord Pon-sonby, nach Konstantinopel, und der Sultan ergriff begierig die ret-tende Hand, welche ihm das Cabinet von St. James darreichte. Denndie russische Diplomatie hatte sich immer anmaßender gezeigt undgestützt auf den Vertrag von Unkiar-Skelessi und die Sympathien, welchesie bei den griechischen Christen in der Türkei genoß, sich in alle innerenAngelegenheiten des osmanischen Reichs gemischt. So mußte der Sul-tan den ruffenfeindlichen Patriarchen von Konstantinopel absetzen, nach-dem die griechischen Bischöfe von Petersburg aus die Weisung erhaltenhatten, darum beim Sultan zu petitioniren. Mahmud war daher seines nor-dischen Freundes überdrüssig und wandte sich den Engländern zu. Dieseerhielten zwei Fermans, wodurch ihnen erlaubt wurde, eine Dampfschiff-fahrt auf dem Euphrat zu errichten und freien Handel durch Aegyptenzu treiben. Endlich durste auch, als der für Petersburg bestimmte Ge-sandte, Lord Durham, nach Konstantinopel kam, ein englisches Kriegs-schiff durch die Dardanellen segeln. Mit Recht konnte Rußland hierineinen Bruch des Vertrages von Unkiar-Skelessi erblicken, und Butenieffsäumte nicht, dies der Pforte vorzuwerfen und ihr die guten Dienste Ruß-lands ins Gedächtniß zurückzurufen, ja er drohte, mit Mehemed Ali einBündniß zu schließen. In der That kamen auch damals Ereignisse vor,die den Flügelschiag des russischen Doppeladlers am Hofe zu Kairo fühl-bar machten, da Rußland bei der Fortdauer des Zwiespalts zwischender Türkei und Aegypten nur gewinnen konnte. Darauf errichtete Ruß-land auf den Inseln der Sulina Quarantaineanstalten, um den englischenHandel, der sich seit Kurzem in den Donaufürstenthümern entwickelt hatte,zu belästigen und die Engländer, die seit 1835 einen Consul in Bukarestbesaßen, daraus zu vertreiben. Wiewohl das Parlament diese SchritteRußlands sehr mtstrauisch aufnahm und eine sehr kriegerische Spracheführte, so beschwichtigte es Palmerston doch wieder, da ihm Durham vonPetersburg aus berichtete, wie friedliebend der Kaiser sei, welche freund-lichen Gesinnungen er gegen England hege und wie er in diesem Augen-blicke einen Beweis seiner Großmuth ablege, indem er der Pforte einenTheil der Kriegskosten erlassen wolle. Das whigistische Parlament trauteden Berichten Durham's, weil dieser als sehr liberal bekannt war; aberDurham war von der Liebenswürdigkeit des Czaren so entzückt; daß eran Ort und Stelle eine andere Anschauung der russischen Politik gewann,als die man damals in England durch das Portfolio hatte. Was jedochDurham als einen neuen Beweis der Großmuth des Kaisers darstellte,erschien Andern als eine Falle, die Ponsonby und Urquhart dem russischenCabinete gestellt hätten. Es verhielt sich damit folgendermaßen. DemCzaren entging es nicht, welche wichtige Elemente der Propaganda fürden Orient er in den Armeniern besaß. Darum betrieb er die Unter-