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Die Donaufürstenthümer.
s2. Kap.
In der Gleichheit der Religion, wie in der Unzufriedenheit, welchedie christlichen Unterthanen des Sultans wegen der Bedrückungen hegten, be-saß Rußland die Hebel, welche es nur bewegen durste, um das osmanischeReich allmälig zu entkräften. Die Verträge von Akjerman (1826)und von Adrianopel sicherten den Donaufürstenthümern eine halbe Sou-verainetät, und Rußland das Schutzrecht über jene. Kaiser Nikolaushatte bis zur Abtragung der Kriegskosten von 1829 die Donaufürsten-thümer besetzt gehalten und die Verwaltung dem klugen und wohl-wollenden General Kiffeleff anvertraut. Dieser arbeitete sowohl für dieMoldau als für die Walachei organische Statuten aus, welche von denBojaren, der hohen Geistlichkeit und den Kreisdeputirten dankbar ange-nommen und von der Pforte (29. Januar 1834) gebilligt wurden. DerHospodar wird von der Bojarenversammlung gewählt und von Rußlandbestätigt. Fürst Stourdza empfing die Hospodarenwürde der Moldau,Fürst Ghika die der Walachei. Bald entstanden jedoch zwischen der Bo-jarenversammlung , welche alle Rechte constitutioneller Kammern besitzt,und den Hospodaren, welche nach Unbeschränktheit streben, Streitigkeiten.Die Opposition der moldauischen Bojaren verklagte Stourdza in Peters-burg und der Kaiser ließ 1836 eine Untersuchung über den Hospodar ver-hängen, der sich dem Willen des Czaren nicht recht fügen wollte. Inder Walachei war dagegen der Divan anti-rusfisch und Fürst Ghika sprachrussische Hilfe an. Baron Rückmann erschien, löste die Versammlung mitmilitairischer Gewalt auf und veranlaßte die Pforte, ihr Missallen überdie Opposition der walachischen Bojaren auszusprechen (1838). Es warRußland keineswegs unbekannt geblieben, daß das neu errichtete englischeConsulat in Bukarest (1835) die nationalen Gefühle der Moldau-Wa-lachei! aufregte und den Leuten die Idee eines selbstständigen Dakoroma-nischen Reichs in den Kopf setzte. Augenscheinlich rechnete England dar-auf, seinen durch Rußland sehr beeinträchtigten Handel in jenen industrie-armen Ländern weiter auszubreiten und die Donaumündungen in neu-trale Hände zu bringen. Natürlich unterdrückte Rußland seinerseits dienationale Partei.
Ganz anders benahmen sich Rußland und England in Serbien.Dieses Land besitzt eine schwache türkische Bevölkerung und wird voneinem tapferen Naturvolke bewohnt, das von abendländischen Einrichtun-gen und Ständeunterschieden nichts wußte. Serbien begann aus Beschlußder allgemeinen Volksversammlung (Skuptschina) im Jahre 1804 denFreiheitskampf gegen die Türken. Der kühne und kluge CzerniGeorg stand an der Spitze der Serbier und erfocht mancheSiege über seine Glaubensfeinde. Rußland bot den Serbiern seinenSchutz an und die kriegerischen Häuptlinge nöthigten Georg wider seinenWillen zur Annahme desselben. Der Bukarester Friede (1812) gab