Band 
(1815 - 1854)
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268
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Oesterreich und der Panslavismus.

Gefährlicher, als die kleinen Angriffe, war der seit den vierzigerJahren ausbrechende Kamps der Nationalitäten. Böhmen. Ungarn unddie südslavischen Provinzen waren die Hauptstätten dieses Kampfes. DieSlaven, welche fast die Hälfte der Bewohner des österreichischen Kaiser-staats ausmachen, schienen durch russische Agenten und Schriften — wie„die Pentarchie" — zu einem kräftigen Nationalgefühl aufgestachelt zusein. Die Idee eines großen, den ganzen Osten Europas bis zurOder umfassenden Slavenreichs, dessen Vertreter kein Anderer als derCzar sein kann, ging in Böhmen von einigen Gelehrten und Aristokraten,wie Schaffarik, Dobrowski, Palazky und Graf Leo Thun aus. In Un-garn beförderte Kollar, in Kroatien Ludwig Gaj den Panslavis-mus. Die Deutschen in Böhmen und Ungarn verhielten sich passiv, wo-gegen die Magyaren die Gefährlichkeit der slavischen Propaganda erkanntenund dagegen reagirten, indem sie ihre Sprache zur herrschenden zumachenstrebten. Die österreichische Regierung verfuhr hierbei nach den gewöhnlichenRegeln der Lebensklugheit. Indem fie in allen nichtdeutschen NationalitätenFeinde erblickte, suchte sie deren Vereinigung zu verhüten, hielt die Span-nung der Nationen gegen einander rege und bediente sich einer Nationalitätgegen die andere. Bis zum Jahre 1828 munterte fie die Kroaten undSlowaken gegen die nivellirenden Versuche der Magyaren auf, ohne son-derlichen Erfolg; vielmehr dachte die Kongregation der Königreiche Dal-matien, Slavonien und Kroatien (10. September 1828) daran, Mittelaufzusuchen, wie das Studium der ungarischen Sprache in Kroatien undden Nebenländern mehr verbreitet werden könne, und 1830 beschlossendie Congregationen des Agramer und Warasdiner Comitats, die magya-rische Sprache zu einem gewöhnlichen Gegenstände des Unterrichts zumachen. Der Adrianopler Friede, welcher die Donausürstenthümer sogut wie zu russischen Provinzen machte, änderte das Verhalten der öster-reichischen Regierung gegen den „Jllyrismus", welcher leise Winke einernationalen Hinneigung zu Rußland hatte fallen lassen. Metternich be-günstigte auf einmal die magyarische Aristokratie und beseitigte die latei-nische Sprache, unter deren todtem Druck die Volkseigenthümltchkeit derMagyaren verkümmern mußte. Jetzt fing die dramatische Literatur derMagyaren zu blühen an, ein Nationaltheater in Pesth wurde gestiftet undeine üppige Saat freisinniger magyarischer Schriften schoß aus demBoden, welche der ängstliche Metternich wiederum durch Heranziehungdes Jllyrismus zu neutralisiren suchte. Ludwig Gaj erhielt nun dieConcession zur illyrischen Nationalzeitung, für welche die Censur garnicht vorhanden zu sein schien. Gedichte, Sammlungen von Volksliederndurch den Serbier Wuk Stephanowitsch Karadschitz, nationale Schau-spiele von Gaj, geographische und literargeschichtliche Werke voll dergröbsten Irrthümer zu Gunsten der Jllyrier, Bälle, Concerte, Lesevercine