3. Kap.)
Oesterreichische Zustände.
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welche die geographische Lage und die Religion in Betracht zogen, hättenam liebsten eine Theilung Deutschlands gesehen, und den protestantischenNorden dem preußischen, den katholischen Süden dem österreichischen Einflußpreisgegeben. Ja noch andere, namentlich bayrische Stimmen, sprachenvon einer Dreitheilung, in Oesterreich, Preußen und die Kleinstaaten unterBayerns Vorsitz. Diese drei Gruppen sollten in ein völkerrechtliches Bünd-niß treten. Es liegt am Tage, daß die Einheitsidee nunmehr den Sauer-teig der deutschen Geschichte bildet. Die einzelnen Seiten jener Idee tre-ten uns später, als politische Parteien verkörpert, im Frankfurter und Er-surter Parlament entgegen.
29. Oesterreich und der Panslavismus. Die unga-rische Sprach- und Zollsrage.
In Oesterreich zeigte sich, wie in Preußen, ein regeres politischesLeben; man fühlte die Fesseln, deren Nothwendigkeit Metternich füreinen aus so verschiedenen Nationalitäten zusammengesetzten Staat be-hauptete , und die geachtetsten Schriftsteller stellten eine Bitte um Mil-derung oder Aufhebung der Censur, welcher der Staatskanzler jedochnicht stattgeben mochte. Das Unterrichts-wie das Finanzwesen, welchemFreiherr von Kübeck vergebens aufzuhelfen bemüht war, sahen sichmehrfachen Angriffen ausgesetzt. Die Staatsschuld wuchs mitten imFrieden, das strenge Prohibitivsystem hemmte den Handel und die freieEntfaltung der Kräfte und Hilfsmittel dieses reichen Staats. Die Ar-beiteraufstände in Prag und Reichenberg, und die Judenverfolgungen(1844) deckten auch hier ein sociales Leiden auf, welches man in dembehäbigen Oesterreich nicht vermuthet hatte. Trotzdem gewann Oester-reich die Mittel, jenes große Netz von Staatseisenbahnen zu bauen, wel-ches der Regierung wie dem Talent seiner Ingenieure zum größten Ruhmegereicht. Wie in Preußen bestanden auch im Kaiserstaate Provinzial-stäude, nur mit dem Unterschiede, daß der Kreis ihrer Wirksamkeithier viel enger gezogen war und die Bureaukratie größeren Einfluß aufdie Verhandlungen der Stände übte. Es bildete sich daher in Oester-reich ein Antagonismus zwischen dem Grundadel und dem Beamtenthum,der, wie seit 1848 in Preußen, als Opposition auf den Landtagen auf-trat und in pikanten, schneidenden Schriften sich auslteß. Das bedeu-tendste Werk, welches hierher gehört, ist „Oesterreich und seine Zukunft",1842, dessen Verfasser ein Freiherr von Andrian war. Er fordert, umder Aristokratie eine gleichberechtigte Stellung neben der Bureaukratie ein-zuräumen, die Gründung einer Pairskammer, und neigt sich überhaupt demenglischen System zu.